Mittwoch, 25. Januar 2012

Noch einmal BuVo?

Ich denke, ich habe einiges erreicht in meiner bisherigen Amtszeit im Bundesvorstand: Ich habe mittels regelmäßiger Treffen die Zusammenarbeit zwischen den Pressegruppen Gruppen auf Bundes- und Landesebene gestärkt - auch wenn dies noch nicht umfassend gelungen ist, sind wir hier doch auf einem guten Wege. Zudem habe ich Treffen und Workshops für den Bundesvorstand organisiert - zuletzt den Strategieworkshop, auf dem wir erarbeitet  haben, wie eine Strategieerstellung innerhalb der Piratenpartei möglich sein kann. Außerdem habe ich - und das ist meines Erachtens das Wichtigste - die Öffentlichkeitsarbeit grundlegend umstrukturiert. Ich habe Servicegruppen (SG) gegründet, die schnell und schlagkräftig sind und jede für sich einen richtig guten Job machen.

Der entscheidende Unterschied zwischen einer Arbeits- und einer Servicegruppe ist eine klare Aufgabenbeschreibung. Eine SG hat eine spezifische, klar definierte Aufgabe, die sie erfüllt. Sie findet sich zusammen, um genau diese Aufgabe zu erfüllen und richtet danach ihre Struktur aus. Sie erarbeitet nichts, sondern sie arbeitet. Eine AG hat keine feste Aufgabe und per se erstmal keine Verpflichtung oder Verantwortung. Eine Servicegruppe hingegen schon. Eine SG ist ebenso ein Dienstleister für die Piratenpartei wie der Bundesvorstand selbst. Der Vorstand überträgt der SG eine Aufgabe, deren Resultate er kontrollieren kann. Auf eine AG hingegen kann der Vorstand nicht einwirken - und soll das auch nicht können. Darum ist die Trennung der dienstleistenden Gruppen von den politischen Arbeitsgruppen wichtig.

Bislang haben wir auf Bundesebene fünf Servicegruppen gegründet:

Die Gruppe für programmatische Bürgerfragen arbeitet sich unermüdlich durch einen Fragenberg von etwa 200 E-Mails. Das Team ist klein, aber dafür um so fleißiger.

Die Recherchegruppe funktioniert, allerdings hat sie einfach nicht genug Manpower, um wirklich schlagkräftig zu sein. Eigentlich sollte diese Gruppe für Briefings vor Interviews sowie Hintergrundrecherchen für Pressemitteilungen zuständig sein. (Hint: Das Team sucht dringend mehr Mitglieder!)

Die Lektoratsgruppe ist - ich gestehe es freimütig - mein ganzer Stolz. Sie bearbeitet Aufträge aus dem gesamten Bundesgebiet, von den Pressemitteilungen des Bundesverbandes bis hinunter in die Kreisverbände. Sie tut das schnell, effektiv, arbeitet dabei Hand in Hand, auch mit den jeweiligen Auftraggebern. Sie lehnt Lektorate sogar ab, wenn sie Probleme erkennt. Und das alles tut sie als Team, dass in sich gut funktioniert und daraus einen "Teamspirit" gewinnt, der das Zusehen (und sicher auch das Mitarbeiten) zu einer reinen Freude macht.

Die Gruppe für die neue Webseite kann leider erst langsam ihre Arbeit aufnehmen. Die Webseite an sich scheint ein recht verfluchtes Unterfangen zu sein. Man sollte meinen, dass in einer "IT-Partei" soetwas wie eine neue Webseite schnell erledigt ist. Dieses Projekt  zieht sich nun seit fast drei Jahren. Ich bin fest entschlossen, noch in  meiner Amtszeit dafür zu sorgen, dass diese Seite online gehen kann. Ich bin guter Dinge, dass dies klappen wird. Hint: Leider fehlt dem Team noch  redaktionelle Verstärkung, zur Auswahl und zum Einpflegen von Inhalten.

Und dann gibt es da noch die Pressegruppe. Es hakt noch hier und da - aber das Team wurde gerade einmal Anfang Januar gegründet. Natürlich gibt es Startschwierigkeiten. Und wenn dann noch ein derartiger Druck aufgebaut wird, wie in diesem Fall geschehen, macht das die Arbeit für alle Beteiligten nicht unbedingt einfacher. Die Gruppe mag umstritten  sein, aber alles in allem macht sie einen verdammt guten Job. Wir haben einen guten Output - nun müssen wir noch am Workflow und der Qualität nachbessern. Das wird in den nächsten  Monaten geschehen.

Soviel zu dem was ich getan habe. Viel davon habe ich nicht alleine gemacht. Darum  möchte ich hier ganz explizit noch einmal allen danken, die diese Projekte zu einem Erfolg gemacht haben und immer weiter machen.

Ich habe angekündigt, dass ich auch unpopuläre Entscheidungen treffen würde. Dass ich bereit bin durchzusetzen was ich für richtig halte, auch wenn es nicht nur auf Gegenliebe stößt. Ich bin grundsätzlich ein  Mensch, der gerne den Konsens sucht, der versucht, so viele wie möglich  mit ins Boot zu holen. Aber ich weiß auch, dass das nicht immer möglich ist, und dass manche Entscheidungen  einfach getroffen werden müssen. Man kann es einfach nicht immer allen recht machen und nicht immer einen Konsens herbeidiskutieren, wenn man Dinge voranbringen will. Als Bundesvorstand sehe ich es als meine Pflicht, auch  solche Entscheidungen zu treffen.

Das hat dafür gesorgt, dass ich in meinem Amt und meiner Auslegung davon nicht unumstritten bin. Hey, es hat auch was positives: Inzwischen wissen die meisten Piraten, dass ich kein Mann bin! Grundsätzlich komme ich mit den obligatorischen Shitstorms inzwischen klar.  Mögen werde ich sie nie, ich  finde sie sind eine Schande für die  Prinzipien der Piraten. Aber ich  nutze sie gern als Gelegenheit, mich  vor meine Teams zu stellen. Das hat  so etwas von Katharsis, wenn man  für das was man richtig findet nicht  durch Feuer, sondern durch  Shitstorms geht. Und wenn ich damit den Leuten, die im  Hintergrund fleißig weiter arbeiten, den Rücken freihalten kann, stelle  ich mich gern mitten hinein und fange ab, was ich kann.
 
Viel von dem, was ich in meiner Amtszeit begonnen  habe, ist noch nicht abgeschlossen. Die Teams funktionieren, aber nur  zum Teil autark. Es wird noch einiges an Strukturierung, dass umgesetzt  werden muss. Die Teams müssen gefestigt werden, weitere Workflows  definiert, Verantwortung übertragen werden. All das lässt sich in einer einzigen Amtszeit nicht bewerkstelligen. Es gibt zudem noch einige Bereiche - zum Beispiel die  Erstellung eines Corporate Design, eines bundesweiten Veranstaltungskalenders und die Betreuung der Social Media Kanäle oder  ein effektives Medienmonitoring - für die weitere Gruppen geplant sind.  Und natürlich gibt es noch das Konzept der Themenbeauftragten, das - so oder anders - für die Zukunft unserer Öffentlichkeitsarbeit essenziell wichtig ist.
 
Weil ich all das gern weiter betreuen und  vorantreiben, und ja, auch gestalten möchte, werde ich trotz aller negativen Aspekte für eine weitere Amtszeit im Bundesvorstand kandidieren.

Donnerstag, 19. Januar 2012

Die SOPA-Aktion

Es gab heute einigen Aufruhr um die leider nicht ganz geglückte Beteiligung der Piratenpartei an der SOPA-Aktion. Da ich dafür zwar nicht durchgehend zuständig, aber verantwortlich bin, möchte ich hier gerne beleuchten was passiert ist und welche Fehler gemacht wurden, damit es beim nächsten Mal besser läuft.


Die Vorbereitung

Die Idee, an der Aktion teilzunehmen, kam in der Telko der SG Presse am Montagabend auf. Die Anwesenden waren sich einig, dass wir uns daran beteiligen sollten. Ich habe daher direkt einen Antrag in den Bundesvorstand gegeben. Parallel hatte ich das Presseteam gebeten eine PM vorzubereiten und bei der IT bzw. meinem Ansprechpartner für die Drupalinstanz der Bundeswebseite, Borys, angefragt, ob und wie das für uns umsetzbar sei. Die Umsetzung des BuVo-Beschlusses war an die Voraussetzung gebunden, dass die IT es hinbekommt.

Der Umlaufbeschluss im Bundesvorstand wurde über Nacht angenommen, die vierte benötigte Pro-Stimme wurde um 09:25h am Dienstagmorgen abgegeben. Ebenfalls über Nacht bekam ich von Borys die Info, dass erst am Nachmittag gesagt werden könne, ob die Aktion umsetzbar wäre. Diese Info kam um 16:06 bei mir an. Die Pressegruppe hat ab 16:38 Uhr die vorbereitete PM zu dem Thema versandt und auf die Webseite gestellt.

Zwischen 17:27 und 17:45 habe ich mit Borys geklärt, dass die Aktion laufen kann und ihm einen Kontakt zum Presseteam, Lena, vermittelt. Borys schrieb sie um 17:45 auf Twitter mit der Bitte an, sich wegen SOPA zu melden, woraufhin Lena ihm um 17:48 eine E-Mail mit Frage schickte, was sie für ihn tun könne. Borys antwortete um 18:02 mit der Frage, was das Presseteam bezüglich SOPA vorhabe und was auf der Homepage eingeblendet solle. Lena leitete die Konversation in ihrer Antwort um 18:05 im Cc auf die Mailingliste der SG Presse. Parallel kam von mir Direkt im Anschluss an die Presse- und Webseitengruppe eine Mail mit dem aktuellen Status, inklusive der finalen Info, dass die Aktion starten kann. Borys wurde mitgeteilt, dass das Presseteam eine PM herausgegeben und ansonsten nichts weiter vorhabe, die Frage, was als Erklärungstext auf der Website eingeblendet werden solle also noch offen sei. Die Frage wurde im Team diskutiert, mehrheitlich war man der Meinung, dass die PM eingeblendet werden solle. Borys schrieb, die Entscheidung dazu solle bis 9 Uhr am Folgetag fallen, woraufhin Mitglieder der Pressegruppe sich wunderten, nach dem Grund dieser Uhrzeit fragten und schrieben, die Seite solle doch um 0 Uhr offline, andernfalls gebe es einen Pressegau. Die IT gab daraufhin, am Abend um 22:30 Uhr, zu verstehen, dass ein Umschalten der Seite nicht vor 14 Uhr möglich sei; dies sei der Zeitplan. Ein Fehler war offensichtlich, dass zum Zeitpunkt des PM-Versandes die IT und die Presse von unterschiedlichen Timings ausgegangen sind. Die Pressegruppe ging von 24 Stunden aus und gab dies in der PM auch so an, die IT kannte offensichtlich diesen Zeitrahmen nicht.

Inzwischen konnte ich herausfinden, woher dieser Zeitplan kam: Es war einfach der einzige, der bei dem IT-Team bekannt war. Andere Webseiten haben offensichtlich nur zu diesen Zeiten abgeschaltet, eine andere Zeit war dem Team nicht bekannt. Von Seiten des Presseteams, ebenso wie von mir, wurde angenommen, dass der Zeitplan "0 Uhr bis 0 Uhr" allgemein bekannt ist. Die beteiligten Personen in der IT waren nicht auf Twitter oder Mailinglisten unterwegs und haben dementsprechend die vielen Vorbereitungen in den Landesverbänden einfach nicht mitbekommen. Wahrscheinlich war für alle anderen diese Info so selbstverständlich, dass niemand daran gedacht hat, sie explizit noch einmal weiterzugeben.

Tatsache war nun also, dass die IT gemeldet hatte, sie könne nicht vor 14 Uhr loslegen. Damit war das Kind aus meiner Sicht bereits in den Brunnen gefallen und es gab zu diesem Zeitpunkt nichts das wir hätten tun können, außer uns für den Sturm zu wappnen und auf das Beste zu hoffen. Offen gestanden habe ich nicht damit gerechnet, dass dies zu derartigem Aufruhr führen würde. Das war offensichtlich ein Fehler von mir. Ich hätte noch einmal nachhaken können, ich hätte auch andere Kontakte aus der IT miteinbeziehen können. Ich hielt dies nicht für sinnvoll, da ich die ohnehin schon überlastete Bundes-IT nicht noch mehr stressen wollte. Normalerweise verzögert eine Überhäufung mit Nachfragen das Ergebnis nur noch weiter.

Der Aktionstag

Nachdem nun die Webseite also nicht wie erwartet um Mitternacht schwarz wurde, gab es heute früh viele Nachfragen. Es gab Angebote von zahlreichen Personen, die Vorlagen der LVs zu nutzen. Ich habe dies kurzfristig mit Borys besprochen. Leider stellte sich erst jetzt heraus, dass einfach auf eine Vorlage gewartet wurde. Diese wurde andernorts erstellt. Das war der zweite Fehler: Bei der zuständigen Stelle in der IT war nicht angekommen, dass viele LVs schon verwendbare Vorlagen haben. Ich wiederum bin kein ITler. Ich kann nicht programmieren, ich habe keine Ahnung von Servern und ich weiß auch nichts über Drupal. Ich kann schlicht und ergreifend nicht beurteilen, welche Schwierigkeiten es dort möglicherweise gibt - darum muss ich darauf vertrauen, dass das, was mir von Leuten die sich auskennen mitgeteilt wird, richtig ist. Und wenn mit der zuständige ITler sagt, dass es um Mitternacht nicht geht, dann muss ich ihm glauben und habe wenig Möglichkeiten, qualifizierte Nachfragen zu stellen. Dass es lediglich an einer Vorlage haperte hatte sich mir einfach nicht erschlossen. Das war ein Kommunikationsfehler, den man den Beteiligten vorwerfen kann, aber nicht muss - er ist allzu menschlich.

Nichtsdestotrotz: Der Fehler war nun erst einmal identifiziert, und wir konnten an der Lösung arbeiten. Ich habe um 9:08 auf die Vorstandsmailingliste geschrieben und darum gebeten, dass verwendbare Vorlagen an die richtige Adresse gesendet werden. Hier gab es noch einen Fehler: Einen Typo in der angegebenen Mailadresse. Darum hat es länger als erwartet gedauert, bis die Vorlage bei der richtigen Person ankam.

Im allgemeinen Trubel, der sich aus der Berichterstattung ergab, kam die Info, dass die Seite gesperrt werden sollte, dann um 11:40 bei Rüdiger aus der Bundes-IT an, der binnen fünf Minuten die notwendigen Änderungen vornahm. Um 11:45 Uhr wurde die Seite endlich schwarz.

Wiki

Parallel dazu gab es einen zweiten Fall, der nur scheinbar mit der Webseite zu tun hatte. Er wird dem selben Team angelastet. Um das klar zu stellen möchte ich darauf noch kurz eingehen. Es geht natürlich um das Wiki. Ich wurde heute früh darauf hingewiesen, dass das Wiki im Rahmen der SOPA-Aktion dichtgemacht wurde. Ich habe daraufhin alle mir zur Verfügung stehenden Kontakte in  der Bundes-IT angeschrieben, und darauf hingewiesen, dass dies weder gewünscht noch besprochen war, explizit nicht vom getroffenen  Vorstandsbeschluss gedeckt war, und darum gebeten, das sofort rückgängig zu machen. Mir wurde recht schnell mitgeteilt, dass der SOPA-Banner im Wiki zum einen wegklickbar sei, zum anderen bereits entfernt wurde. Zu diesem Zeitpunkt musste ich zur Arbeit und hielt das Problem für erledigt. Leider habe ich dann im Laufe des Nachmittages mitbekommen, dass das Wiki nun endgültig nicht mehr erreichbar war. Inzwischen wurde mir in zwei Emails erklärt, was dort geschehen ist. Eine davon lief über die öffentliche Vorstandsliste, daher erlaube ich mir, diese hier zu zitieren:

Ich hatte das, da ich auch Admin im Wiki bin, um 24.00 Uhr geschaltet  und es war wegklickbar. Daraufhin hat sich Gefion um 9.00 Uhr bei der  Bundes-IT beschwert, was das denn soll? Ein anderer Admin hat meine Schalte dann rückgängig gemacht und kurz vor Mittag hat die Bundes-IT dann den, dem Wiki vorgeschalteten, Server, abgeschaltet. Das war auch nicht mit der AG Wiki und den Koordinatoren des Wiki abgesprochen. Tja, dumm gelaufen. :( Egal, heilt ja von alleine und morgen ist der Spuck  vorbei. Heißt ja auch Streik und da soll man nicht arbeiten und der soll  weh tun. Also Kopf hoch und geht mal raus und sprecht mal offline mit  den Leuten. :)

Inzwischen habe ich erfahren, dass einer der Admins den Sopa-Banner auf das Wiki gelegt hat. Dies gründete sich auf ein Missverständnis: Es wurde eine Mail auf dem Kontext der Bundeswebseite irrtümlich auf das Wiki bezogen. Alternativ wurde http://no-sopa-wiki.piratenpartei.de/Hauptseite als Übergangslösung angelegt.

Was lernen wir daraus?

Genau genommen nichts Neues: Nichts geht über klare Kommunikation. In diesem Fall war die Kommunikation nicht an allen Stellen optimal, obwohl sie im Grunde funktioniert hat. Was wir also beim nächsten Mal besser machen können:
  • Von Anfang an alle Beteiligten besser vernetzen
  • Gleich zu Beginn alle klar briefen und uns zwischen allen Beteiligten intensiver austauschen
  • Lieber eine Information zu viel, als eine zu wenig: Also auch über Dinge sprechen, die allen Beteiligten eigentlich selbstverständlich erscheinen (in diesem Fall wäre das die Uhrzeit gewesen): Manchmal halten verschiedene Gruppen verschiedene Dinge für selbstverständlich.


Was mir noch wichtig ist

Der Hauptgrund, warum ich mir die Arbeit mit diesem Blogbeitrag gemacht habe, war neben der Aufklärung des Vorfalles das Aufdecken der gemachten Fehler. Und zwar, weil jemand, der auf die Fresse kriegt sich immer eher wehren wird, als sich zu fragen ob er die Schläge  vielleicht verdient hat. Hinterher wird er sich über die Schläge beschweren und seine Wunden lecken, statt sich zu fragen was der Grund dafür war. Kurz gesagt: Wenn wir jeden Fehler der gemacht wird als #fail shitstormen, nehmen wir uns die Möglichkeit, aus diesen Fehlern zu lernen. Darum hoffe ich, dass wir nun alle aus dieser Erfahrung lernen können - und vielleicht schaffen es die Piraten ja sogar, beim nächsten #failmegagate miteinander zu reden und den Dingen auf den Grund zu gehen, ohne mit Vorwürfen und Beschimpfungen um sich zu werfen. Dann wäre es die Arbeit heute gleich doppelt wert gewesen.

Montag, 2. Januar 2012

Die Servicegruppe Pressearbeit

Diese Woche habe ich einen großen Teil meiner Arbeit als Bundesvorstand geschafft: Die Servicegruppe Pressearbeit (SG Presse) ist gegründet! Eine Servicegruppe (und das ist meiner Ansicht nach der wichtigste Unterschied zu einer AG) hat eine spezifische, klar definierte Aufgabe, die sie erfüllt. Sie findet sich zusammen, um genau diese Aufgabe zu erfüllen und richtet danach ihre Struktur aus. Sie erarbeitet nichts, sondern sie arbeitet. Eine AG hat keine feste Aufgabe und per se erstmal keine Verpflichtung oder Verantwortung. Eine Servicegruppe hingegen schon.

Die Gründung dieser einen Servicegruppe war ein wahrer Kraftakt. Innerhalb des Presseteams wurde lange überlegt, wie wir es schaffen können, mehr Piraten für die Mitarbeit zu gewinnen und trotzdem die notwendige Qualität zu gewährleisten. Diese Diskussion zog sich über Monate hin, und wir kamen zu keinem Ergebnis. Den Durchburch brachte auf der Besprechung im Kernteam in Bremerhaven der Vorschlag (ich weiß nicht mehr von wem er kam - jedenfalls nicht von mir), parallel zu den bereits vorhandenen Servicegruppen (Lektorat, Programm und Recherche), auch die Pressearbeit in eine solche SG zu überführen. In der Diskussion wurde schnell klar, dass wir zum gewünschten Erfolg einen kompletten Neustart der Gruppe anstreben müssen. Damit sollte zum einen dem (teils unverdient) schlechten Ruf der alten Gruppe entgegengewirkt werden und zum anderen jedem Piraten, der sich einbringen möchte, die Chance gegeben werden mitzumachen. Wir haben auf diesem Treffen eine grobe Struktur erarbeitet und die Regeln besprochen, die wir dafür benötigen würden. Ich habe die Aufgabe übernommen, mit diesen Vorgaben des beteiligten Presseteams ein Konzept zu erarbeiten, die neue Gruppe auszuschreiben und zu starten. Das wurde dann auf dem nächsten Mumbletreffen besprochen und auch vom anwesenden Team  einstimmig beschlossen. Also habe ich mich an die Arbeit gemacht, geschrieben, mit unheimlich vielen Leuten geredet, gemumblet, immer wieder Details besprochen und schlussendlich zur Gründung ein umfassendes Konzept vorgestellt.

Schade finde ich, dass  jetzt, nachdem alles besprochen und beschlossen ist, viel Kritik laut wird. Es hätte sich doch jeder einbringen können! Es gab eine Ausschreibung im Vorstandsportal, diverse Besprechungen, es gab Mumbles des Presseteams, es gab eine Wikiseite in der sich jeder Interessierte eintragen konnte. Ich bin nun wirklich nicht schwer erreichbar. Was geplant ist, hätte eigentlich für niemanden, der ernsthaft am Thema  interessiert ist, eine Überraschung sein dürfen. Und dennoch kommen jetzt, wo alles passiert und es einfach zu spät ist, viele Piraten und reden das Konzept und die Gruppe kaputt.
 
Da werden Vorwürfe laut, bei denen mir außer einem Facepalm nicht mehr viel zu sagen bleibt. Ein Beispiel: "Wehe in der neuen Gruppe wird Top-Down bestimmt!" und von der selben Person "Ich erwarte das diese und jene Regeln eingeführt werden!" Ja, Leute, ihr müsst schon wissen was ihr wollt. Entweder, ihr fordert kein Top-Down: Dann müsst ihr aber auch akzeptieren, dass ich nicht Top-Down bestimme, was ihr gerne als Regeln hättet. Oder ihr  fordert die Einführung bestimmter Regeln. Aber wie, wenn nicht Top-Down, sollte ich die denn bitte durchsetzen?  
 
Mir ist wichtig, dass eine Gruppe von Piraten, die wie alle bei uns freiwillig und  ehrenamtlich eine Aufgabe übernehmen, zumindest so arbeiten kann wie es für sie am Besten ist. Darum habe ich keine Regeln bestimmt, sondern nur vorgeschlagen. Es gibt Infrastruktur, die sich bewährt hat: Mailinglisten, Pads, ein Ticketsystem, ein Mumbleraum. Das habe ich nicht vorgegeben, sondern bereitgestellt, weil ich es als Arbeitsgrundlage betrachte.
 
Ja, ich habe ein Konzept geschrieben. Das betrachte ich als für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlicher Vorstand als meine Aufgabe. Ich kann ja schlecht zu einem Gründungsmumble gehen und damit anfangen, zu diskutieren, was die Gruppe machen möchte. Das Konzept für die SG Presse ist auf die Definition einer Servicegruppe wie anfangs vorgegeben angelegt. Wer es wirklich detailliert wissen möchte, kann es gerne in voller Länge lesen. Dieses Konzept und alle Regeln die darin enthalten sind, habe ich auf dem Gründungsmumble zur Diskussion gestellt. Niemand war erstaunter als ich, dass über das Regelwerk keiner der Anwesenden - immerhin fast 40 Piraten, knapp die Hälfte davon SG Mitglieder - diskutieren wollte.
 
Besonders umstritten war - wie in jeder Pressegruppe - die Frage nach den Mailinglisteneinstellungen. Dazu kann und wird es wohl niemals einen Konsens geben. Ich werde, wenn ich es schaffe, noch einen eigenen Beitrag dazu schreiben, wie es sich mit Transparenz und Offenheit in der Pressearbeit verhält. Für jetzt ist wichtig: Die Entscheidung trifft das Team. Es gab bei den Vorbesprechungen eine Tendenz zu einem zeitverzögert öffentlichen Mailinglistensync. Das stand auch in dem Vorschlag, den ich vorbereitet hatte. Die Gruppe konnte sich auf dem Treffen leider auf keine eindeutige Regelung einigen. Die Entscheidung über die öffentliche Lesbarkeit der Mailingliste steht also noch aus und wird mittels einer Umfrage im Team getroffen werden.
 
Ich würde es sehr begrüßen, wenn die Gruppe nicht jetzt schon in Grund und Boden geredet werden würde. Es ist eine Gruppe, die sich zusammengefunden hat um gemeinschaftlich eine Dienstleistung für die Piratenpartei zu erbringen. Sie hat die Chance verdient, ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen und sollte - das wünsche ich mir, wirklich - an ihren Leistungen gemessen werden, nicht an ihren internen Regeln. Und vor allem nicht am für sie zuständigen Bundesvorstand: Ihr könnt mich an den Leistungen der Gruppe messen, aber bitte nicht die Gruppe an mir!