Ich werde schon seit einer ganzen Weile regelmäßig gefragt, ob ich bei der anstehenden Wahl noch einmal für den Bundesvorstand kandidieren werde. Um dieselbe Frage nicht ständig wieder beantworten zu müssen, möchte ich die Antwort einmal allgemein geben:
Nein, ich stehe in Neumarkt nicht als Kandidatin zur Verfügung.
Lustigerweise würde ich unheimlich gern kandidieren - insbesondere, weil mir mein Verantwortungsgefühl sagt, dass wir im Bundesvorstand Leute mit Erfahrung brauchen, wenn wir die Bundestagswahl rocken wollen - und davon gibt es nicht sehr viele. Ich habe Bock auf Verantwortung, und irgendwie reizt es mich, mich ganz vorne dafür einzusetzen, dass wir das Ruder noch mal rumreißen.
Aber: Anderes ist in meinem Leben aktuell wichtiger. Ich muss bis September, und damit parallel zum Wahlkampf, meine Bachelorarbeit fertig schreiben. Mein Job frisst sehr viel Zeit, und ich muss diese investieren, um dann wiederum mein weiteres Studium finanzieren zu können. Ich würde wahrscheinlich ernsthaft Stress in meiner Beziehung bekommen, wenn die Partei gerade jetzt noch einmal so viel Zeit von mir fordert wie das in meiner letzten Amtszeit der Fall war.
Dann sind da noch die hemmenden Faktoren in der Partei selbst: Ein guter Freund sagte, dass Verantwortungsgefühl auf Gegenseitigkeit beruhen muss. Da das in dieser Partei nicht der Fall ist, sollte ich meinem nicht nachgeben. Je mehr Verantwortung man bei den Piraten übernimmt, desto schlechter wird man behandelt. Ich bin kein Masochist. Die Angriffe, denen ich in meiner letzten Amtszeit ausgesetzt war, hörten selbst nach meiner Abwahl nicht auf, wurden teils sogar schlimmer. Solange die Partei Engagement bestraft statt es anzuerkennen, sehe ich nicht, wieso ich mich dem freiwillig noch einmal aussetzen sollte.
Außerdem gibt es inzwischen eine ganze Menge Leute, mit denen ich nichtmehr zusammenarbeiten kann oder will. Ich habe ganz schlicht Feinde. Und ich will im Moment Leute ignorieren können die ich nicht ausstehen kann. Als "Basispirat" habe ich die Freiheit mich so selbst zu schützen. Als BuVo müsste ich mich damit deutlich anders auseinandersetzen.
Es gibt auch in der Partei Dinge, die wichtiger sind: Mit der Flaschenpost einen geilen Wahlkampf rocken, zum Beispiel. Insbesondere die Printausgabe und der Mitgliedernewsletter sind extrem zeitintensiv. Es bleibt daneben einfach nicht genug Zeit übrig. Mit meiner Beauftragung und der Arbeit die damit einhergeht kann ich den Vorstand und den Wahlkampf aktuell am besten unterstützen.
Gefinition
Gefion Thürmer
(Life in progress)
Sonntag, 10. März 2013
Donnerstag, 23. August 2012
"Feuerprobe"
Die Geschichte zum Artikel "Hilfsaktionen für Johannes Ponader"
Disclaimer: Ich habe ein persönliches Problem mit Johannes Ponader, weil ich finde, dass er seine politische Position durch sein Amt als Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei Deutschland missbraucht, um medial für sich als Person zu werben, statt für die Partei und ihre Positionen. Das beeinflusst aber nicht meine Arbeit als (Chef-)Redakteurin der Flaschenpost.Die Vorgeschichte
Derzeit beschäftigt die Piraten die Diskussion um die Einkommensverhältnisse von Johannes Ponader. Einige sammeln Geld für ihn, andere suchen ihm einen Job. Ich habe für die Flaschenpost einen Artikel darüber geschrieben. Der Artikel sollte betont sachlich sein und auf den Konflikt innerhalb der Partei hinweisen. Gerade weil mir klar war, dass dieser Artikel potenziell für Konflikte sorgen könnte, habe ich unser Lektorat gebeten, insbesondere auf die Sachlichkeit zu achten:Ich hab schon zwei Probeleser gehabt, die den Artikel als "nicht polemisch" eingestuft haben - ich bitte euch, da noch mal insbesondere drauf zu gucken und im Zweifel kritisch mit mir zu sein. Ich will die Diskussion in der Partei aufzeigen, die sich an Johannes und den Aktionen kristallisiert, nicht über Johannes herziehen. Wenn's den Eindruck erweckt, bitte sagt es!
Vor der Veröffentlichung des Artikels bat ich Johannes um eine Stellungnahme dazu, insbesondere zu der Hilfsaktion, die einen Job für ihn sucht. Johannes gab mir diese Stellungnahme telefonisch, bat mich allerdings, nicht zu veröffentlichen, was er mir sagte. Jeder unserer Artikel wird von zwei Lektoren abgesegnet - auch dieser, nach explizierter Bitte um Kritik. Nach Veröffentlichung des Artikels schickte Johannes mir zahlreiche Twitter-DMs mit Korrekturwünschen. Er hat insbesondere um eine Änderung von "arbeitslos" in "erwerbslos" gebeten. Dies wurde geändert und er darüber informiert. Er hat danach keine Einwände mehr erhoben und kündigte lediglich einen ergänzenden Blogpost an. Alle anderen Korrekturen lagen meines Erachtens in einem Bereich, der entweder nicht wesentlich oder Interpretationsfrage war. Das mag eine Ermessensfrage sein - ich verstehe es als journalistische Freiheit. Andere Journalisten machen davon deutlich mehr Gebrauch als ich.
Exkurs: Die Zielsetzung der Flaschenpost - was sie tut und was sie nicht tut.
Die Flaschenpost versteht sich als Nachrichtenmagazin. Unsere primäre Zielsetzung ist die Information von Piraten über interne und externe Diskussionen, um diese auf sachliche Informationen bauen zu können. Wie wir bereits früher erklärten, ist "eine wichtige Funktion der Flaschenpost [...] das Anregen von sachlichen Diskussionen über parteiintere Streitthemen."In ihrem Selbstverständnis ist die Flaschenpost journalistisch unabhängig. Ich als Chefredakteurin bin vom Bundesvorstand beauftragt. Eine genaue Formulierung der Beauftragung gibt es nicht. Wir sehen es nicht als unsere Aufgabe an, dem BuVo nach dem Mund zu reden, sondern Piraten zu informieren. Wenn wir sie dabei über Fehler des Bundesvorstandes aufklären, die dieser lieber nicht publik sehen würde, ist es erst recht unsere Aufgabe darüber zu informieren. Oberste Direktive bei allen Artikeln (abgesehen von Kommentaren) ist die Neutralität: wir wollen keine Stimmung machen, wir wollen informieren.
Das Nachspiel
Drei Tage später - die interne und externe Diskussion um die Spendenaktion war in vollem Gange - bat Johannes erneut per Twitter-DM um Richtigstellungen, weil "die Darstellungen, ich würde nicht arbeiten, nichts verdienen teils extrem schlecht ankommen in der Bevölkerung". Ich ließ ihn daraufhin wissen, dass eine Änderung meines Erachtens nicht notwendig sei, da der Kernsatz "seitdem hat er kein regelmäßiges Einkommen mehr" nach wie vor richtig ist. Diese Einschätzung hat Johannes bestätigt: "dieser Satz ist m. E. so richtig". Danach kamen keine weiteren Nachrichten mehr von ihm, und ich hielt die Angelegenheit für erledigt. Bis zum heutigen Aufruf zum Shitstorm: Da twitterte Johannes - für mich aus heiterem Himmel - eine Anschuldigung gegen die Flaschenpost bzw. mich persönlich. Wie es zu diesem plötzlichen Sinneswandel gekommen ist, kann ich mir nicht erklären. Der monierte Bezug zu seiner Arbeitslosigkeit steht in meinen Interpretation in einer zeitlichen Reihenfolge: Es geht um die Situation Anfang Juli, um die Situation, die zum Spendenaufruf geführt hat. Er selbst bat um die Änderung von "arbeitslos" in "erwerbslos", was exakt die Wortwahl ist, die er mir nun vorwirft.
Die Schlüsse
Für mich sieht es nun aus wie folgt: Ich habe mich geweigert, einen Artikel zu ändern, der nicht nur in meinen Augen keine sachlichen Unkorrektheiten enthielt - und die Johannes mir nicht nachgewiesen hat. Johannes hat mir gegenüber nicht auf Änderungen bestanden, sondern meine Einschätzung der Situation akzeptiert.Die Flaschenpost ist das offizielle Nachrichtenmagazin der Piratenpartei. Ich wurde vom Bundesvorstand mit deren Leitung beauftragt. Nun schießt Johannes,
ein amtierendes Bundesvorstandsmitglied, gegen die Flaschenpost und mich persönlich. Er wirft damit absichtlich und zu Unrecht ein schlechtes Licht auf die Flaschenpost sowie auf mich als Person. Insbesondere sein Satz "ich gehe davon aus, dass sich sowas sozial lösen lässt" erscheint mir wie blanker Hohn. Erstens, weil diese "soziale Lösung" ganz offensichtlich der von ihm losgetretene Shitstorm ist. Zweitens, weil Beauftragte eigentlich unter dem Schutz seines Gremiums stehen sollten, und es ein Unding ist, ihnen so in den Rücken zu fallen.UPDATE
Johannes und ich haben inzwischen telefoniert und die Sache aus der Welt geschafft. Offensichtlich hatten wir aneinander vorbeigeredet. Einer der vielen Gründe, warum Twitter-DMs nicht zur Klärung wichtiger Sachverhalte genutzt werden sollten. Für die öffentliche Austragung der Angelegenheit hat er sich entschuldigt, und ich habe diese Entschuldigung akzeptiert.
Dienstag, 19. Juni 2012
Öffentlichkeitsarbeit in der Piratenpartei: Partizipation oder Professionalität?
Kurzform:
Die Piratenpartei muss sich entscheiden, welche Prioritäten sie für die Öffentlichkeitsarbeit setzen will. Sie schwankt zwischen den Extremen »totale Partizipation« und »reine Professionalität«. In anderen Bereichen werden Notwendigkeiten selbstverständlich akzeptiert, in der Öffentlichkeitsarbeit hingegen nicht. Auch dort sind aber Grundkenntnisse notwendig. Wie diese zwei Extreme zusammengebracht werden können, muss jetzt geklärt werden, denn im Bundestagswahlkampf ist dafür keine Zeit mehr.
Langform:
In letzter Zeit gab es unheimlich viele Diskussionen zur Pressearbeit. Da wurde von Mobbing und Hasskampagnen geredet, von persönlichen Agenden, die einige haben oder nicht haben, es gab viel Krakelerei und wenige sachliche Argumente. Ich möchte auf all das hier nicht eingehen, glaube aber, dass ein paar einleitende Worte dazu unabdingbar sind:
Dass ich allein auf Grund eines einzigen Blogposts in der öffentlichen Diskussion als Taktiererin in diesem Zusammenhang dargestellt werde, verletzt mich. Ich habe in den vergangenen Jahren viel Zeit, Arbeit und Herzblut in diese Partei gesteckt. Ich persönlich habe kein Interesse an Machtpositionen, und ich strebe auch - surprise! - kein Bundestagsmandat an. Ich habe eine Meinung, aber ich erwarte nicht, dass sie jeder teilt. Ich erwarte lediglich Respekt, wie man ihn vor jedem Menschen haben sollte. Eine Diskussion darüber, ob ich oder andere Personen doof oder nicht doof sind, bringt uns als Partei nicht voran. Ich möchte, dass wir gemeinsam für unsere Ziele streiten - jeder auf seine Art, aber auf keinen Fall gegeneinander.
Was ich mir wünsche ist eine sachliche Diskussion über Öffentlichkeitsarbeit in der Piratenpartei. Ich bin keine PR-Expertin: Ich bin gelernte Kauffrau, ich habe mich in meinem Studium eingehend mit Medien und Marketing beschäftigt. Ich arbeite nach vielen Jahren im Handel inzwischen seit 1 ½ Jahren im Marketing. Ich habe Kulturwissenschaften studiert, kenne mich mit Kommunikation aus, sehe mich selbst am ehesten als Soziologin. In der Partei bin ich seit drei Jahren, leite seit über 2 Jahren unsere Mitgliederzeitung und habe ein Jahr lang die Öffentlichkeitsarbeit koordiniert und umstrukturiert. Ich habe keine formelle Ausbildung - nur reichlich Erfahrung. Auf Grund dieser Erfahrung habe ich eine Meinung dazu, wie Öffentlichkeitsarbeit für die Piratenpartei funktionieren kann und wo die Probleme liegen.
Grundsatzdiskussionen müssen jetzt geführt werden, damit wir 2013 einig sind
In der Bundestagswahl 2013 werden wir uns eine solche Grundsatzdiskussion nicht mehr leisten können. Wir müssen sie jetzt führen. Es gibt Fragen, die wir für uns gemeinsam beantworten müssen, bevor wir in den Wahlkampf starten. Eine der ersten für die Öffentlichkeitsarbeit – aber nicht nur dort – relevanten Fragen, ist, wo wir unsere Prioritäten setzen wollen: Ist uns Partizipation oder Professionalität wichtiger?
Unter Partizipation verstehe ich: Jeder kann alles machen, sich einbringen wo und wie er möchte. Das Prinzip entspricht der Ideologie vieler Piraten. Die Arbeitsweise ist manchmal kräftezehrend, aber alle Beteiligten fühlen sich gut damit; aber nicht jeder will sich so beteiligen, die Qualität der Arbeit variiert stark und das Tempo bzw. die Reaktionsgeschwindigkeit ist vergleichweise niedrig, was Reaktionen auf aktuelle Geschehnisse kompliziert macht.
Unter Professionalität verstehe ich: Leute die sich mit Dingen auskennen, erledigen sie. Das ist für sie recht einfach und geht fix, bedeutet aber, dass eben nicht jeder überall mitmachen kann, weil ein Mindestlevel an Vorkenntnissen notwendig ist. Das ermöglicht aber effektive Arbeit und schnellen, qualitativ wenig schwankenden Output, ist aber frustrierend für diejenigen, die gern mitmachen möchten und sorgt bisweilen für Grüppchenbildung, wobei sich Gruppen dann potentiell nach außen abschotten.
Was in der Verwaltung selbstverständlich ist, wird in der Öffentlichkeitsarbeit nicht akzeptiert
Interessanterweise wird in der Verwaltung ohne große Diskussion auf Professionalität gesetzt. Unser Generalsekretär muss in allererster Linie fähig sein, mit Mitgliederdaten umzugehen. Kaum jemand würde dem Bundesschatzmeister ins Handwerk reden. Wir vertrauen darauf, dass unsere Amtsträger dort genau wissen, was sie tun. In der Öffentlichkeitsarbeit ist das anders.
Viele, die einmal eine Pressemitteilung (PM) gelesen haben, glauben zu wissen, wie man diese gut schreibt. Viele, die ein Interview sehen, glauben zu wissen, dass sie es besser machen könnten. Viele setzen Öffentlichkeitsarbeit gar mit PMs gleich, oder gehen davon aus, dass, wenn wir nur genügend PMs schreiben, die Medien automatisch auf unsere Themen anspringen werden. Weil Öffentlichkeitsarbeit naturgemäß öffentlich sichtbar ist, hat dort jeder eine Meinung und möchte sich einbringen. Wenige wissen, oder sind auch nur bereit zu glauben, dass auch dort Fachwissen notwendig ist.
Öffentlichkeitsarbeit ist genau wie Buchhaltung oder Datenschutz eine Profession, und das nicht ohne Grund. Expertise ist dort genau so unverzichtbar wie in der Verwaltung. Genau wie ein Bundesschatzmeister sich mit gesetzlichen Rahmenbedingungen und (Personal-)Buchhaltung auskennen muss, ist es in der Öffentlichkeitsarbeit unerlässlich, gewisse Grundlagen zu kennen. Zum Beispiel die Position von Medien in unserer Gesellschaft, die Funktionsweise von Redaktionen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen oder allgemeine Standards auf diesem Feld. Je nachdem, wie man die Öffentlichkeitsarbeit angehen möchte, sind auch die Definition der Zielgruppe (wen wollen wir eigentlich erreichen?), die Ziele der Kommunikation (wie wollen wir uns darstellen?) und die Kriterien und Priorisierung der Themen (was kommunizieren wir und warum?) relevant. Nur Informationen und eine Meinung machen noch keine brauchbare Öffentlichkeitsarbeit, Ideologie kann eine Strategie nicht ersetzen und Partizipation allein genügt nicht, um eine Platzierung von Themen zu gewährleisten.
Auch in einer Mitmachpartei geht Öffentlichkeitsarbeit nicht ohne Grundlagenkenntnisse
Man kann natürlich auf all dies verzichten und "einfach machen". Aber: Wenn man nicht weiß, wie Redaktionen arbeiten, ist es deutlich schwieriger, Pressemitteilungen so zu schreiben, dass sie auch tatsächlich aufgegriffen werden. Wenn man seine Zielgruppe nicht kennt, kann man die Nachricht, die man kommunizieren will, nicht in ihre Sprache verpacken und so für bestmögliche Rezeption sorgen. Das gilt insbesondere dann, wenn man mit Multiplikatoren (also Medien) arbeitet. Wenn man die Gesetzmäßigkeiten und Standards nicht kennt, schießt man schnell am Ziel vorbei oder darüber hinaus.
Journalisten sind in den seltensten Fällen unsere Freunde. Sie sind Menschen, die einen Job machen. Dieser Job hat mit Informationen und ihrer Filterung, kritischen Verarbeitung und Verbreitung zu tun. Sie filtern für die Gesellschaft die nach ihrer Ansicht relevanten Informationen. Was sie aufarbeiten und ihrem Publikum vorsetzen sollen, muss darum ihren Relevanzkriterien entsprechen. Dazu gehören mit Sicherheit die üblichen Standards: neu, interessant, relevant. Aber ebenso werden sich dort Fragen nach ihrer Zielgruppe finden, nach Auflagenzahlen, Kampagnen und der Laune des Chefredakteurs. All diese Einflüsse sollte man einschätzen können, wenn man mit ihnen arbeitet.
Medien sind Gatekeeper und werden es bleiben
Das Internet hat nur wenig Einfluss darauf, dass die klassischen Medien eine Gatekeeperfunktion haben - uns das wird auch in der Zukunft so bleiben. Daran ändern auch die Klickrate unserer Bundeswebseite, die 100.000 Follower von @Piratenpartei auf Twitter oder die 75.000 Fans auf Facebook wenig. Wir brauchen die klassischen Medien, wir brauchen die Journalisten, wenn wir einen Großteil der Bürger erreichen wollen. Darauf sollten wir unsere Öffentlichkeitsarbeit einstellen. Darum müssen wir uns entscheiden, wie wir unsere Öffentlichkeitsarbeit angehen wollen.
Die Lösung kann nur ein Mittelweg sein
Nur mit Profis geht es nur in einem professionellen, bezahlten Umfeld. Nur mit Crowdsourcing kann man nicht die bestmöglichen Ergebnisse erzielen. Aber Partizipation und Professionalität schließen einander nicht aus: Wichtig ist bei der Professionalität der Fokus auf Fachkenntnisse, nicht deren Abgrenzung. Natürlich kann man mit Schulungen und anderen Angeboten andere befähigen mitzumachen - der Wille dazu sollte da sein, gerade bei den Fachleuten die Wissen weitergeben können. Ebenso darf es bei der Partizipation auch auch nicht um das bloße Mitmachen im Sinne von »Jeder kann alles machen nur weil er will« gehen. Auch hier muss der Wille, sich ernsthaft zu beteiligen und die notwendigen Kenntnisse zu erwerben vorhanden sein. So dass jeder die Möglichkeit bekommt, sich seinen Stärken entsprechend ein- und die Gruppe so voranzubringen.
Wir müssen akzeptieren, dass es Profis gibt und dass wir ihre Fachkenntnisse brauchen, wenn wir erfolgreich sein wollen. Jeder, der mitmachen möchte, muss bereit sein, das Handwerk zu lernen. Umgekehrt müssen aber auch die Piraten mit Fachkenntnissen bereit sein, ihr Wissen zu teilen und ihr Tun zu erklären. Das darf aber nicht in stetige Rechtfertigungen ausarten, weil ihre Expertise nicht respektiert oder ihr sogar misstraut wird. Ohne Vertrauen auf beiden Seiten kann es nicht funktionieren. Nur wenn wir einander vertrauen können wir, als die starke Gemeinschaft die wir sind, die Politik verändern.
Die Piratenpartei muss sich entscheiden, welche Prioritäten sie für die Öffentlichkeitsarbeit setzen will. Sie schwankt zwischen den Extremen »totale Partizipation« und »reine Professionalität«. In anderen Bereichen werden Notwendigkeiten selbstverständlich akzeptiert, in der Öffentlichkeitsarbeit hingegen nicht. Auch dort sind aber Grundkenntnisse notwendig. Wie diese zwei Extreme zusammengebracht werden können, muss jetzt geklärt werden, denn im Bundestagswahlkampf ist dafür keine Zeit mehr.
Langform:
In letzter Zeit gab es unheimlich viele Diskussionen zur Pressearbeit. Da wurde von Mobbing und Hasskampagnen geredet, von persönlichen Agenden, die einige haben oder nicht haben, es gab viel Krakelerei und wenige sachliche Argumente. Ich möchte auf all das hier nicht eingehen, glaube aber, dass ein paar einleitende Worte dazu unabdingbar sind:
Dass ich allein auf Grund eines einzigen Blogposts in der öffentlichen Diskussion als Taktiererin in diesem Zusammenhang dargestellt werde, verletzt mich. Ich habe in den vergangenen Jahren viel Zeit, Arbeit und Herzblut in diese Partei gesteckt. Ich persönlich habe kein Interesse an Machtpositionen, und ich strebe auch - surprise! - kein Bundestagsmandat an. Ich habe eine Meinung, aber ich erwarte nicht, dass sie jeder teilt. Ich erwarte lediglich Respekt, wie man ihn vor jedem Menschen haben sollte. Eine Diskussion darüber, ob ich oder andere Personen doof oder nicht doof sind, bringt uns als Partei nicht voran. Ich möchte, dass wir gemeinsam für unsere Ziele streiten - jeder auf seine Art, aber auf keinen Fall gegeneinander.
Was ich mir wünsche ist eine sachliche Diskussion über Öffentlichkeitsarbeit in der Piratenpartei. Ich bin keine PR-Expertin: Ich bin gelernte Kauffrau, ich habe mich in meinem Studium eingehend mit Medien und Marketing beschäftigt. Ich arbeite nach vielen Jahren im Handel inzwischen seit 1 ½ Jahren im Marketing. Ich habe Kulturwissenschaften studiert, kenne mich mit Kommunikation aus, sehe mich selbst am ehesten als Soziologin. In der Partei bin ich seit drei Jahren, leite seit über 2 Jahren unsere Mitgliederzeitung und habe ein Jahr lang die Öffentlichkeitsarbeit koordiniert und umstrukturiert. Ich habe keine formelle Ausbildung - nur reichlich Erfahrung. Auf Grund dieser Erfahrung habe ich eine Meinung dazu, wie Öffentlichkeitsarbeit für die Piratenpartei funktionieren kann und wo die Probleme liegen.
Grundsatzdiskussionen müssen jetzt geführt werden, damit wir 2013 einig sind
In der Bundestagswahl 2013 werden wir uns eine solche Grundsatzdiskussion nicht mehr leisten können. Wir müssen sie jetzt führen. Es gibt Fragen, die wir für uns gemeinsam beantworten müssen, bevor wir in den Wahlkampf starten. Eine der ersten für die Öffentlichkeitsarbeit – aber nicht nur dort – relevanten Fragen, ist, wo wir unsere Prioritäten setzen wollen: Ist uns Partizipation oder Professionalität wichtiger?
Unter Partizipation verstehe ich: Jeder kann alles machen, sich einbringen wo und wie er möchte. Das Prinzip entspricht der Ideologie vieler Piraten. Die Arbeitsweise ist manchmal kräftezehrend, aber alle Beteiligten fühlen sich gut damit; aber nicht jeder will sich so beteiligen, die Qualität der Arbeit variiert stark und das Tempo bzw. die Reaktionsgeschwindigkeit ist vergleichweise niedrig, was Reaktionen auf aktuelle Geschehnisse kompliziert macht.
Unter Professionalität verstehe ich: Leute die sich mit Dingen auskennen, erledigen sie. Das ist für sie recht einfach und geht fix, bedeutet aber, dass eben nicht jeder überall mitmachen kann, weil ein Mindestlevel an Vorkenntnissen notwendig ist. Das ermöglicht aber effektive Arbeit und schnellen, qualitativ wenig schwankenden Output, ist aber frustrierend für diejenigen, die gern mitmachen möchten und sorgt bisweilen für Grüppchenbildung, wobei sich Gruppen dann potentiell nach außen abschotten.
Was in der Verwaltung selbstverständlich ist, wird in der Öffentlichkeitsarbeit nicht akzeptiert
Interessanterweise wird in der Verwaltung ohne große Diskussion auf Professionalität gesetzt. Unser Generalsekretär muss in allererster Linie fähig sein, mit Mitgliederdaten umzugehen. Kaum jemand würde dem Bundesschatzmeister ins Handwerk reden. Wir vertrauen darauf, dass unsere Amtsträger dort genau wissen, was sie tun. In der Öffentlichkeitsarbeit ist das anders.
Viele, die einmal eine Pressemitteilung (PM) gelesen haben, glauben zu wissen, wie man diese gut schreibt. Viele, die ein Interview sehen, glauben zu wissen, dass sie es besser machen könnten. Viele setzen Öffentlichkeitsarbeit gar mit PMs gleich, oder gehen davon aus, dass, wenn wir nur genügend PMs schreiben, die Medien automatisch auf unsere Themen anspringen werden. Weil Öffentlichkeitsarbeit naturgemäß öffentlich sichtbar ist, hat dort jeder eine Meinung und möchte sich einbringen. Wenige wissen, oder sind auch nur bereit zu glauben, dass auch dort Fachwissen notwendig ist.
Öffentlichkeitsarbeit ist genau wie Buchhaltung oder Datenschutz eine Profession, und das nicht ohne Grund. Expertise ist dort genau so unverzichtbar wie in der Verwaltung. Genau wie ein Bundesschatzmeister sich mit gesetzlichen Rahmenbedingungen und (Personal-)Buchhaltung auskennen muss, ist es in der Öffentlichkeitsarbeit unerlässlich, gewisse Grundlagen zu kennen. Zum Beispiel die Position von Medien in unserer Gesellschaft, die Funktionsweise von Redaktionen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen oder allgemeine Standards auf diesem Feld. Je nachdem, wie man die Öffentlichkeitsarbeit angehen möchte, sind auch die Definition der Zielgruppe (wen wollen wir eigentlich erreichen?), die Ziele der Kommunikation (wie wollen wir uns darstellen?) und die Kriterien und Priorisierung der Themen (was kommunizieren wir und warum?) relevant. Nur Informationen und eine Meinung machen noch keine brauchbare Öffentlichkeitsarbeit, Ideologie kann eine Strategie nicht ersetzen und Partizipation allein genügt nicht, um eine Platzierung von Themen zu gewährleisten.
Auch in einer Mitmachpartei geht Öffentlichkeitsarbeit nicht ohne Grundlagenkenntnisse
Man kann natürlich auf all dies verzichten und "einfach machen". Aber: Wenn man nicht weiß, wie Redaktionen arbeiten, ist es deutlich schwieriger, Pressemitteilungen so zu schreiben, dass sie auch tatsächlich aufgegriffen werden. Wenn man seine Zielgruppe nicht kennt, kann man die Nachricht, die man kommunizieren will, nicht in ihre Sprache verpacken und so für bestmögliche Rezeption sorgen. Das gilt insbesondere dann, wenn man mit Multiplikatoren (also Medien) arbeitet. Wenn man die Gesetzmäßigkeiten und Standards nicht kennt, schießt man schnell am Ziel vorbei oder darüber hinaus.
Journalisten sind in den seltensten Fällen unsere Freunde. Sie sind Menschen, die einen Job machen. Dieser Job hat mit Informationen und ihrer Filterung, kritischen Verarbeitung und Verbreitung zu tun. Sie filtern für die Gesellschaft die nach ihrer Ansicht relevanten Informationen. Was sie aufarbeiten und ihrem Publikum vorsetzen sollen, muss darum ihren Relevanzkriterien entsprechen. Dazu gehören mit Sicherheit die üblichen Standards: neu, interessant, relevant. Aber ebenso werden sich dort Fragen nach ihrer Zielgruppe finden, nach Auflagenzahlen, Kampagnen und der Laune des Chefredakteurs. All diese Einflüsse sollte man einschätzen können, wenn man mit ihnen arbeitet.
Medien sind Gatekeeper und werden es bleiben
Das Internet hat nur wenig Einfluss darauf, dass die klassischen Medien eine Gatekeeperfunktion haben - uns das wird auch in der Zukunft so bleiben. Daran ändern auch die Klickrate unserer Bundeswebseite, die 100.000 Follower von @Piratenpartei auf Twitter oder die 75.000 Fans auf Facebook wenig. Wir brauchen die klassischen Medien, wir brauchen die Journalisten, wenn wir einen Großteil der Bürger erreichen wollen. Darauf sollten wir unsere Öffentlichkeitsarbeit einstellen. Darum müssen wir uns entscheiden, wie wir unsere Öffentlichkeitsarbeit angehen wollen.
Die Lösung kann nur ein Mittelweg sein
Nur mit Profis geht es nur in einem professionellen, bezahlten Umfeld. Nur mit Crowdsourcing kann man nicht die bestmöglichen Ergebnisse erzielen. Aber Partizipation und Professionalität schließen einander nicht aus: Wichtig ist bei der Professionalität der Fokus auf Fachkenntnisse, nicht deren Abgrenzung. Natürlich kann man mit Schulungen und anderen Angeboten andere befähigen mitzumachen - der Wille dazu sollte da sein, gerade bei den Fachleuten die Wissen weitergeben können. Ebenso darf es bei der Partizipation auch auch nicht um das bloße Mitmachen im Sinne von »Jeder kann alles machen nur weil er will« gehen. Auch hier muss der Wille, sich ernsthaft zu beteiligen und die notwendigen Kenntnisse zu erwerben vorhanden sein. So dass jeder die Möglichkeit bekommt, sich seinen Stärken entsprechend ein- und die Gruppe so voranzubringen.
Wir müssen akzeptieren, dass es Profis gibt und dass wir ihre Fachkenntnisse brauchen, wenn wir erfolgreich sein wollen. Jeder, der mitmachen möchte, muss bereit sein, das Handwerk zu lernen. Umgekehrt müssen aber auch die Piraten mit Fachkenntnissen bereit sein, ihr Wissen zu teilen und ihr Tun zu erklären. Das darf aber nicht in stetige Rechtfertigungen ausarten, weil ihre Expertise nicht respektiert oder ihr sogar misstraut wird. Ohne Vertrauen auf beiden Seiten kann es nicht funktionieren. Nur wenn wir einander vertrauen können wir, als die starke Gemeinschaft die wir sind, die Politik verändern.
Montag, 4. Juni 2012
Pressekoordination
Kurzform
Der Bundesvorstand strukturiert in der Öffentlichkeitsarbeit um. Es wurden Entscheidungen über das Presseteam getroffen, ohne dieses einzubeziehen. Die dort engagierten Piraten, ihre Qualifikation und Erfahrung werden dabei nicht respektiert. Die getroffenen Entscheidungen basieren nicht auf fachlicher Expertise, sondern auf Politik und persönlichen Präferenzen. Der Effekt davon wird meiner Ansicht nach sein, dass das bestehende Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit nicht funktioniert und die Pressegruppe weit hinter ihrem Potential zurückbleibt. Ich wurde gebeten, in der neuen Struktur Verantwortung für die Koordination zu übernehmen. Ich will nicht für etwas verantwortlich sein, dass ich nicht verantworten kann.
Langform
Am vergangenen Freitag sind Christopher Lang und Aleks Lessmann von ihren Posten als Pressesprecher und stellvertretender Pressesprecher zurückgetreten. Das war der vorläufige Gipfel eines seit dem Bundesparteitag in Neumünster andauernden Konfliktes. Oberflächlich betrachtet ist es ein Problem zwischen den Pressesprechern und einigen Mitgliedern des neuen Bundesvorstandes, tiefergehend aber auch ein Verständniskonflikt über Pressearbeit in der Partei insgesamt.
Als ich mich in Neumünster zur Wahl gestellt habe, habe ich klar gesagt, dass die SG Presse noch nicht vollständig funktioniert, dass es "Work in Progress" ist, und die Aufmerksamkeit - und in der aktuellen Phase auch die Betreuung - des Bundesvorstands braucht. Nach meiner Abwahl habe ich dies dem neugewählten Bundesvorstand auch in aller Deutlichkeit gesagt und auf eine baldige Übergabe des Aufgabenbereiches gedrängt. Leider konnte sich der Bundesvorstand auf seiner konstituierenden Sitzung nicht darüber einig werden, wer den Bereich übernehmen sollte. Die Entscheidung wurde auf das Livetreffen in München vertagt. Ich habe nach diesem Beschluss dem Vorstand erneut mitgeteilt, dass die Pressegruppe nicht so lange ohne feste Zuständigkeit, ohne verantwortlichen Ansprechpartner im Vorstand und ohne Koordination auskommt. Meine Warnungen trafen zwar auf offene Ohren, Taten resultierten daraus jedoch nicht.
Es gab in einer noch nicht stabilisierten Gruppe fünf Wochen lang ein Verantwortungsvakuum.
Auf der letzten Telefonkonferenz der SG Presse am 15.5. - an der keiner der drei kommissarisch verantwortlichen Vorstände teilnahm - bat mich die Gruppe, vorübergehend als Koordinatorin einzuspringen um zumindest die dringendsten Fragen mit dem Vorstand zu klären. Ich nahm die Bitte der Gruppe an und suchte den Dialog mit dem Bundesvorstand. Ich benannte dringende Probleme, die die Gruppe an der Arbeit hinderten - allem voran der Freigabeprozess und die anstehende Organisation des Pressetreffens. Leider erhielt ich trotz zahlreicher Mails kaum verbindliche Antworten, wir wurden wieder nicht ernst genommen, und es wurden keine (Übergangs-)Lösungen gesucht.
Alle Bitten um eine Übergabe und Klärung der Situation verpufften ergebnislos.
Die Gruppe fiel in diesem Zeitraum zusehends auseinander. Es gab keine klare Leitung mehr, Entscheidungen über Veröffentlichungen wurden nicht getroffen, fertige Pressemitteilungen blieben liegen. In dem bestehenden Verantwortungsvakuum versuchte die Bundespressesprecherin für Ordnung zu sorgen, wiederholte dabei aber lediglich Arbeiten, die längst erledigt waren und erhöhte damit den Organisationsaufwand statt ihn zu reduzieren. Absprachen, die ich noch während meiner Amtszeit mit den Pressesprechern für eine bessere Zusammenarbeit getroffen habe, wurden ignoriert, in einem Fall sogar torpediert.
Währenddessen griffen einige Vorstandsmitglieder aktiv destruktiv in das Presseteam ein. Das Team wurde auf der eigenen Mailingliste angepampt, wo Motivation benötigt worden wäre, es wurden Forderungen gestellt die mit dem Aufbau der Gruppe nicht kompatibel waren. Ich bekam sogar einen Anruf, in dem ich gebeten wurde, die Schwachpunkte einzelner Personen zu benennen, damit man sich ihrer einfacher entledigen könne. Weder hat der Vorstand in der Übergangsphase Interesse daran gezeigt mit dem Team zusammen an den gewünschten Veränderungen zu arbeiten, noch wurde - von Einzelpersonen abgesehen - Respekt für dessen Leistung gezeigt. Ein Gespräch wurde nicht gesucht und jeder fachliche Rat in den Wind geschlagen. Es wurde lediglich um Feedback aus dem Team gebeten, welches dann aber - in allen für mich ersichtlichen Fällen - ignoriert wurde.
Der fachliche Rat von Leistungsträgern und Profis wurde ignoriert, Expertise nicht anerkannt.
Ich habe den Vorstand wiederholt und nachdrücklich darauf hingewiesen, dass sie so nicht weitermachen können. Dass ihnen, wenn sie so weitermachen, das Presseteam auseinanderfällt. Ich bat dringend um die Ernennung eines Nachfolgers, oder zumindest um die Gelegenheit, mit einem der kommissarisch Verantwortlichen eine Übergabe zu machen, damit jemand in einer verantwortlichen Position den notwendigen Überblick hätte, die Probleme erkennen und Entscheidungen treffen könne - ohne Erfolg.
Auf dem Vorstandstreffen in München wurde Markus Barenhoff als mein Nachfolger im Bundesvorstand benannt. Markus hat weder nennenswerte Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit, noch kennt er deren Aufbau oder die beteiligten Personen. Parallel wurde beschlossen, die Leitung der Pressegruppe umzugestalten. Die Bundespressesprecherin soll mit vier Stellvertretern die Koordination aller Teams in der Öffentlichkeitsarbeit übernehmen - und damit effektiv die Aufgabe, die ich im vorhergehenden Jahr im Bundesvorstand hatte. Diese Entscheidungen wurden ohne Rücksprachen mit den betreffenden Teams und ohne Berücksichtigung der aktuellen Lage getroffen. Das Team erfuhr von diesem Beschluss erst nach den o. g. Rücktritten, durch einen Blogpost im Vorstandsportal.
Dass das Konzept umstritten ist, bedeutet nicht dass es schlecht ist.
Mir ist bewusst, dass die seit dem letzten Jahr vorgenommenen Ändrungen am Konzept der Öffentlichkeitsarbeit umstritten sind. Ich meine genug Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit, Teamleitung, dem Aufbau von Strukturen und Konzepten zu haben, um beurteilen zu können, was daran gut und schlecht gelaufen ist. Das Vertrauen der Teams in das neue Konzept ist für mich Beweis genug, dass die Veränderungen richtig waren. Das Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit der Piratenpartei, dass ich im letzten Jahr zusammen mit den Pressepiraten auf Bundes- und Landesebene erarbeitet habe ist vielleicht nicht perfekt, aber alles in allem tragfähig. Es würde bis über die Bundestagswahl hinaus funktionieren, vor allem aber wäre es im Wahlkampf 2013 eine ideale Basis für die Pressearbeit der Piraten - und die werden wir brauchen!
Ehrenamtliche Arbeit funktioniert nur, wenn die Mitarbeiter motiviert sind und bleiben.
Mein Konzept fußte insbesondere auf produktiver Zusammenarbeit und Miteinander. Ich glaube, dass in einem ehrenamtlichen Team Entscheidungen nur mit dem Team getroffen werden können. Eine ehrenamtliche Gruppe, die unter derartigem Druck steht, kann nur vernünftig arbeiten, wenn sie selbst bestimmen kann, wie sie arbeiten möchte. Ehrenamtlichen Mitarbeitern kann man nicht vorschreiben, wie sie ihr Ehrenamt auszufüllen haben, wann und wie viel sie arbeiten oder welche Shitstorms sie für ihr freiwilliges Engagement in Kauf zu nehmen haben. Darum war die Kommunikation und auch die Arbeit im Team für mich das Herzstück aller meiner Entscheidungen. Natürlich kann man den Teams Zielsetzungen vorgeben, aber man muss mit den Leuten entscheiden, und nicht über ihre Köpfe hinweg. Ich werde meine Konzepte in näherer Zukunft noch detailliert erörtern, sehe aber, dass ich jetzt Position beziehen muss.
Mir wurde von mehreren Vorstandsmitgliedern zugesagt, dass man mich weiterhin für die Koordination der Pressearbeit haben wollte, "wenn die Gruppe dich haben will". Einige SGs haben diesen Wunsch bereits vor mehreren Wochen deutlich geäußert. Bei dem letzten Gespräch mit Markus hieß es dann, "Du kannst Dich dann ja auf eine der Beauftragungen bewerben." Letztes Wochenende hat eine der aktivsten Piratinnen innerhalb der SG Presse beim Bundesvorstand formell beantragt, mich als Pressekoordinatorin zu beauftragen.
Ich stehe in der aktuellen Situation für diese Position nicht zur Verfügung.
Ich würde den Job machen, wenn ich darauf vertrauen könnte, dass die Gruppe weiterhin eigenverantwortlich arbeiten könnte, und beim Bundesvorstand die notwendige Unterstützung und ein offenes Ohr fände. Ich würde die Aufgabe sogar sehr gerne übernehmen, wenn ich zumindest das Gefühl hätte, dass der Vorstand für seine Entscheidungen auch die Fachleute aus dem Presseteam miteinbeziehen würde. Das ist aber nach aktuellem Stand nicht der Fall. Was der Vorstand umsetzen möchte, vor allem aber die Art und Weise wie er das versucht, ist mit meinem Verständnis von ehrenamtlicher Arbeit, Teamführung, mit meinem Konzept und meinen Idealen nicht vereinbar.
Die Schuld an der Situation liegt sicher nicht allein beim Vorstand - immer wenn Menschen zusammenarbeiten kommt es zu Konflikten. Aber es ist die Aufgabe des Vorstandes zu integrieren und Konflikte so zu lösen, dass die produktive Arbeit für alle Beteiligten möglich bleibt. Für mich ist absehbar, dass die Leistung und Qualität unserer Pressearbeit unter dieser Art der Führung leiden wird, dass wir zukünftig in der Pressegruppe genausoschnell Personen verbrennen werden wie anderswo. Ich kann und will für eine derartige Vorgehensweise und deren Folgen keine Verantwortung übernehmen.
Es tut mir unheimlich leid hier zu einem gewissen Grad meine Teams im Stich zu lassen. Bitte glaubt mir, dass mir das nicht leicht fällt. Aber es wäre weder in eurem noch in meinem Sinne, und erst recht nicht im Sinne der Partei insgesamt, wenn ich unter den aktuellen Umständen in eine verantwortliche Position innerhalb der Öffentlichkeitsarbeit zurückkehre. Ich kann das nicht verantworten, und darum werde ich es nicht tun.
Der Bundesvorstand strukturiert in der Öffentlichkeitsarbeit um. Es wurden Entscheidungen über das Presseteam getroffen, ohne dieses einzubeziehen. Die dort engagierten Piraten, ihre Qualifikation und Erfahrung werden dabei nicht respektiert. Die getroffenen Entscheidungen basieren nicht auf fachlicher Expertise, sondern auf Politik und persönlichen Präferenzen. Der Effekt davon wird meiner Ansicht nach sein, dass das bestehende Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit nicht funktioniert und die Pressegruppe weit hinter ihrem Potential zurückbleibt. Ich wurde gebeten, in der neuen Struktur Verantwortung für die Koordination zu übernehmen. Ich will nicht für etwas verantwortlich sein, dass ich nicht verantworten kann.
Langform
Am vergangenen Freitag sind Christopher Lang und Aleks Lessmann von ihren Posten als Pressesprecher und stellvertretender Pressesprecher zurückgetreten. Das war der vorläufige Gipfel eines seit dem Bundesparteitag in Neumünster andauernden Konfliktes. Oberflächlich betrachtet ist es ein Problem zwischen den Pressesprechern und einigen Mitgliedern des neuen Bundesvorstandes, tiefergehend aber auch ein Verständniskonflikt über Pressearbeit in der Partei insgesamt.
Als ich mich in Neumünster zur Wahl gestellt habe, habe ich klar gesagt, dass die SG Presse noch nicht vollständig funktioniert, dass es "Work in Progress" ist, und die Aufmerksamkeit - und in der aktuellen Phase auch die Betreuung - des Bundesvorstands braucht. Nach meiner Abwahl habe ich dies dem neugewählten Bundesvorstand auch in aller Deutlichkeit gesagt und auf eine baldige Übergabe des Aufgabenbereiches gedrängt. Leider konnte sich der Bundesvorstand auf seiner konstituierenden Sitzung nicht darüber einig werden, wer den Bereich übernehmen sollte. Die Entscheidung wurde auf das Livetreffen in München vertagt. Ich habe nach diesem Beschluss dem Vorstand erneut mitgeteilt, dass die Pressegruppe nicht so lange ohne feste Zuständigkeit, ohne verantwortlichen Ansprechpartner im Vorstand und ohne Koordination auskommt. Meine Warnungen trafen zwar auf offene Ohren, Taten resultierten daraus jedoch nicht.
Es gab in einer noch nicht stabilisierten Gruppe fünf Wochen lang ein Verantwortungsvakuum.
Auf der letzten Telefonkonferenz der SG Presse am 15.5. - an der keiner der drei kommissarisch verantwortlichen Vorstände teilnahm - bat mich die Gruppe, vorübergehend als Koordinatorin einzuspringen um zumindest die dringendsten Fragen mit dem Vorstand zu klären. Ich nahm die Bitte der Gruppe an und suchte den Dialog mit dem Bundesvorstand. Ich benannte dringende Probleme, die die Gruppe an der Arbeit hinderten - allem voran der Freigabeprozess und die anstehende Organisation des Pressetreffens. Leider erhielt ich trotz zahlreicher Mails kaum verbindliche Antworten, wir wurden wieder nicht ernst genommen, und es wurden keine (Übergangs-)Lösungen gesucht.
Alle Bitten um eine Übergabe und Klärung der Situation verpufften ergebnislos.
Die Gruppe fiel in diesem Zeitraum zusehends auseinander. Es gab keine klare Leitung mehr, Entscheidungen über Veröffentlichungen wurden nicht getroffen, fertige Pressemitteilungen blieben liegen. In dem bestehenden Verantwortungsvakuum versuchte die Bundespressesprecherin für Ordnung zu sorgen, wiederholte dabei aber lediglich Arbeiten, die längst erledigt waren und erhöhte damit den Organisationsaufwand statt ihn zu reduzieren. Absprachen, die ich noch während meiner Amtszeit mit den Pressesprechern für eine bessere Zusammenarbeit getroffen habe, wurden ignoriert, in einem Fall sogar torpediert.
Währenddessen griffen einige Vorstandsmitglieder aktiv destruktiv in das Presseteam ein. Das Team wurde auf der eigenen Mailingliste angepampt, wo Motivation benötigt worden wäre, es wurden Forderungen gestellt die mit dem Aufbau der Gruppe nicht kompatibel waren. Ich bekam sogar einen Anruf, in dem ich gebeten wurde, die Schwachpunkte einzelner Personen zu benennen, damit man sich ihrer einfacher entledigen könne. Weder hat der Vorstand in der Übergangsphase Interesse daran gezeigt mit dem Team zusammen an den gewünschten Veränderungen zu arbeiten, noch wurde - von Einzelpersonen abgesehen - Respekt für dessen Leistung gezeigt. Ein Gespräch wurde nicht gesucht und jeder fachliche Rat in den Wind geschlagen. Es wurde lediglich um Feedback aus dem Team gebeten, welches dann aber - in allen für mich ersichtlichen Fällen - ignoriert wurde.
Der fachliche Rat von Leistungsträgern und Profis wurde ignoriert, Expertise nicht anerkannt.
Ich habe den Vorstand wiederholt und nachdrücklich darauf hingewiesen, dass sie so nicht weitermachen können. Dass ihnen, wenn sie so weitermachen, das Presseteam auseinanderfällt. Ich bat dringend um die Ernennung eines Nachfolgers, oder zumindest um die Gelegenheit, mit einem der kommissarisch Verantwortlichen eine Übergabe zu machen, damit jemand in einer verantwortlichen Position den notwendigen Überblick hätte, die Probleme erkennen und Entscheidungen treffen könne - ohne Erfolg.
Auf dem Vorstandstreffen in München wurde Markus Barenhoff als mein Nachfolger im Bundesvorstand benannt. Markus hat weder nennenswerte Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit, noch kennt er deren Aufbau oder die beteiligten Personen. Parallel wurde beschlossen, die Leitung der Pressegruppe umzugestalten. Die Bundespressesprecherin soll mit vier Stellvertretern die Koordination aller Teams in der Öffentlichkeitsarbeit übernehmen - und damit effektiv die Aufgabe, die ich im vorhergehenden Jahr im Bundesvorstand hatte. Diese Entscheidungen wurden ohne Rücksprachen mit den betreffenden Teams und ohne Berücksichtigung der aktuellen Lage getroffen. Das Team erfuhr von diesem Beschluss erst nach den o. g. Rücktritten, durch einen Blogpost im Vorstandsportal.
Dass das Konzept umstritten ist, bedeutet nicht dass es schlecht ist.
Mir ist bewusst, dass die seit dem letzten Jahr vorgenommenen Ändrungen am Konzept der Öffentlichkeitsarbeit umstritten sind. Ich meine genug Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit, Teamleitung, dem Aufbau von Strukturen und Konzepten zu haben, um beurteilen zu können, was daran gut und schlecht gelaufen ist. Das Vertrauen der Teams in das neue Konzept ist für mich Beweis genug, dass die Veränderungen richtig waren. Das Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit der Piratenpartei, dass ich im letzten Jahr zusammen mit den Pressepiraten auf Bundes- und Landesebene erarbeitet habe ist vielleicht nicht perfekt, aber alles in allem tragfähig. Es würde bis über die Bundestagswahl hinaus funktionieren, vor allem aber wäre es im Wahlkampf 2013 eine ideale Basis für die Pressearbeit der Piraten - und die werden wir brauchen!
Ehrenamtliche Arbeit funktioniert nur, wenn die Mitarbeiter motiviert sind und bleiben.
Mein Konzept fußte insbesondere auf produktiver Zusammenarbeit und Miteinander. Ich glaube, dass in einem ehrenamtlichen Team Entscheidungen nur mit dem Team getroffen werden können. Eine ehrenamtliche Gruppe, die unter derartigem Druck steht, kann nur vernünftig arbeiten, wenn sie selbst bestimmen kann, wie sie arbeiten möchte. Ehrenamtlichen Mitarbeitern kann man nicht vorschreiben, wie sie ihr Ehrenamt auszufüllen haben, wann und wie viel sie arbeiten oder welche Shitstorms sie für ihr freiwilliges Engagement in Kauf zu nehmen haben. Darum war die Kommunikation und auch die Arbeit im Team für mich das Herzstück aller meiner Entscheidungen. Natürlich kann man den Teams Zielsetzungen vorgeben, aber man muss mit den Leuten entscheiden, und nicht über ihre Köpfe hinweg. Ich werde meine Konzepte in näherer Zukunft noch detailliert erörtern, sehe aber, dass ich jetzt Position beziehen muss.
Mir wurde von mehreren Vorstandsmitgliedern zugesagt, dass man mich weiterhin für die Koordination der Pressearbeit haben wollte, "wenn die Gruppe dich haben will". Einige SGs haben diesen Wunsch bereits vor mehreren Wochen deutlich geäußert. Bei dem letzten Gespräch mit Markus hieß es dann, "Du kannst Dich dann ja auf eine der Beauftragungen bewerben." Letztes Wochenende hat eine der aktivsten Piratinnen innerhalb der SG Presse beim Bundesvorstand formell beantragt, mich als Pressekoordinatorin zu beauftragen.
Ich stehe in der aktuellen Situation für diese Position nicht zur Verfügung.
Ich würde den Job machen, wenn ich darauf vertrauen könnte, dass die Gruppe weiterhin eigenverantwortlich arbeiten könnte, und beim Bundesvorstand die notwendige Unterstützung und ein offenes Ohr fände. Ich würde die Aufgabe sogar sehr gerne übernehmen, wenn ich zumindest das Gefühl hätte, dass der Vorstand für seine Entscheidungen auch die Fachleute aus dem Presseteam miteinbeziehen würde. Das ist aber nach aktuellem Stand nicht der Fall. Was der Vorstand umsetzen möchte, vor allem aber die Art und Weise wie er das versucht, ist mit meinem Verständnis von ehrenamtlicher Arbeit, Teamführung, mit meinem Konzept und meinen Idealen nicht vereinbar.
Die Schuld an der Situation liegt sicher nicht allein beim Vorstand - immer wenn Menschen zusammenarbeiten kommt es zu Konflikten. Aber es ist die Aufgabe des Vorstandes zu integrieren und Konflikte so zu lösen, dass die produktive Arbeit für alle Beteiligten möglich bleibt. Für mich ist absehbar, dass die Leistung und Qualität unserer Pressearbeit unter dieser Art der Führung leiden wird, dass wir zukünftig in der Pressegruppe genausoschnell Personen verbrennen werden wie anderswo. Ich kann und will für eine derartige Vorgehensweise und deren Folgen keine Verantwortung übernehmen.
Es tut mir unheimlich leid hier zu einem gewissen Grad meine Teams im Stich zu lassen. Bitte glaubt mir, dass mir das nicht leicht fällt. Aber es wäre weder in eurem noch in meinem Sinne, und erst recht nicht im Sinne der Partei insgesamt, wenn ich unter den aktuellen Umständen in eine verantwortliche Position innerhalb der Öffentlichkeitsarbeit zurückkehre. Ich kann das nicht verantworten, und darum werde ich es nicht tun.
Montag, 7. Mai 2012
Rezeptionsdifferenzen - oder die Reaktionen auf Johannes Ponaders Auftritt bei Günther Jauch
Häufig kommt bei der Redaktion der Flaschenpost Feedback zur Piratenpartei insgesamt an. Wahrscheinlich ist unser Kontaktformular einfach gut zu finden. Wir wehren uns dagegen nicht und verteilen die Informationen und Anregungen so gut es geht weiter. Oft ist in diesen Mails allgemeines Feedback enthalten - zu Medienauftritten, Programmpunkten oder generellen Berichten über die Piraten. Diese Mails helfen uns auch, ein Gefühl dafür zu bekommen, was viele Bürger über uns denken.
Die Hemmschwelle, jemandem eine E-Mail mit Feedback zu senden, ist erfahrungsgemäß recht hoch. Damit sich jemand hinsetzt, gezielt seine Meinung niederschreibt und versendet, muss ihn das jeweilige Thema auf einer persönlichen Ebene bewegen. Darum überraschte mich das Feedback zu dem Auftritt von Johannes Ponader bei Günther Jauch: Es kamen einige Mails mit negativem Feedback. Es waren nicht überwältigend viele - aber alle, die kamen, waren negativ. Kritisiert wurde Johannes' Outfit:
Nun frage ich mich: Woher kommt diese unterschiedliche Auffassung bei den Piraten (Alles wunderbar.) und den Menschen, die uns geschrieben haben (Das geht so nicht!)?
Johannes war bei Jauch sicherlich er selber. Er hat gut argumentiert und stach durch sein Auftreten und sein Outfit deutlich aus der Masse der geschniegelten Karrierepolitiker heraus. Er verfolgte während der Sendung die Rezeption seines Auftrittes auf Twitter, vertrat unsere Themen und deutete unser Programm auch für noch unbeantwortete Fragestellungen. Alles in allem war sein Auftritt sehr "piratig". Kein Wunder also, dass er den Piraten gefiel. Seine Folowerzahl bei Twitter hat sich seit der Sendung mehr als verdoppelt - inzwischen sind es über 6000. Es ist unwahrscheinlich, dass das ausschließlich Piraten waren. Johannes kann also auch jenseits davon Massen anziehen (und wahrscheinlich überzeugen).
Es fragt sich dann, warum er anderen nicht gefiel. Die Kritik an seiner Einkommenssituation möchte ich ungern gelten lassen - es ist nicht seine Schuld, dass die Piratenpartei ihre Amtsträger nicht bezahlen kann. Über seine persönlichen Lebensumstände zu urteilen steht niemandem zu.
Die Kritik an seinem Outfit ist da schon interessanter. Piraten störten sich nicht daran, dass er unter Anzugträgern in Pulli und Sandalen - ohne Socken! - saß. Ich nehme an, dass Piraten den Politikbetrieb allgemein anders sehen als andere. Natürlich tun sie das. Sie achten auf Inhalte und nicht auf Fönfrisuren. Wer unsere Bundesparteitage kennt, den überrascht kein Outfit dieser Welt in einer Talkshow; wären wir nicht maßlos tolerant, wir könnten kaum einen Stammtisch besuchen. Bei uns muss niemand darauf achten was er anzieht: was gefällt, ist erlaubt. Toleranz ist das, was uns verbindet, ein Teil der Piratenphilosophie, die kaum ausformuliert werden muss, um gültig zu sein. Und natürlich finden wir es toll, wenn unser politischer Geschäftsführer so deutlich in der Öffentlichkeit zeigt, was es damit auf sich hat - und sich eben nicht darum schert, sich der Menge oder den Erwartungen anzupassen.
Klar ist auch, dass das einigen nicht gefällt. Bei Menschen mit einem anderen Weltbild kommt das eben nicht gut an. Ich kann ihnen das nicht verübeln: wer mit diesen Werten aufwuchs, wer ein bestimmtes Benehmen kennt und gewohnt ist, wird das immer auch von seinen Mitmenschen erwarten. Und wenn sich diese - wie Johannes - nicht an diese Konventionen halten, führt das natürlich zu Unverständnis. Im schlimmsten Fall beflügelt es die ohnehin schon vorhandenen Vorurteile.
Ich glaube, es gab drei verschiedene Arten von Zuschauern bei dieser Sendung. Die ersten waren die Piraten selbst: Relativ unkritisch, bereits mit Johannes bekannt, piratig-tolerant und von den Inhalten und unserer Philosophie überzeugt. Die zweiten waren die Aufgeschlossenen: Vielleicht noch nicht Piratenwähler, aber soweit vertraut mit uns, unserer Art von Politik und dem Wertesystem darunter, dass sie auf die Inhalte hörten, statt an Äußerlichkeiten hängen zu bleiben und sich ernsthaft mit uns auseinandersetzen. Die dritten waren die Unverständigen. Diejenigen, die die Piraten noch nicht kennen, nicht verstehen, oder beides nicht wollen. Diese regen sich über einen ALG II-Empfänger auf, der twitternd in Sandalen neben Günther Jauch sitzt. Diese Zuschauer erreichen wir mit unseren Inhalten nicht, und werden es auch nicht - zumindest nicht so.
In die Zone zwischen den Aufgeschlossenen und den Unverständigen fällt meines Erachtens diese Mail, die mich so zum Nachdenken brachte. Nicht, weil sich der Schreiber über Sandalen echauffiert. Sondern weil er mir vermittelt, was wir ihm vermittelt haben: "So fühle ich mich von euch nicht repräsentiert, so kann ich euch nicht ernst nehmen. Wenn ihr wollt, dass ich euch ernst nehme, dann zeigt Respekt vor meinem Wertesystem." Zumindest lese ich es so.
Die Frage für die Piraten ist dann: Womit wollen wir punkten und bei wem? Wollen wir unsere Inhalte überall bestmöglich platzieren? Dann müssten wir uns so weit assimilieren lassen, dass man aufhört, sich über unseren Kleidungsstil zu echauffieren. Oder besser: dann dürfen wir Talkshowgäste nicht nach dem Kulturschock-Potential auswählen, sondern danach, wer der jeweiligen Zielgruppe der Sendung unsere Inhalte am besten vermitteln kann. Nicht jeder Kulturschock ist positiv. Wenn der Preis für die erhöhte Aufmerksamkeit darin besteht, dass unsere Inhalte nicht gehört werden, ist er zu hoch - auch wenn wir damit ein Zeichen für unsere Philosophie setzen. Unsere Gäste sollten eine gewisse Affinität zur jeweiligen Zielgruppe haben. Dann wird ihnen nämlich zugehört, und nur wer uns zuhört wird uns langfristig verstehen und wählen.
Ja, das ist Marketing. Ja, das ist ein Stück weit "etabliert". Aber niemand sagt, dass wir nur Schlipsträger neben Schlipsträger setzen sollen. Wir müssen uns einfach nur dessen bewusst sein, welche Wirkung es hat, wenn wir Sandalen neben Gucci-Schuhe stellen. Wer sich von Johannes' Sandalen provoziert fühlte, dürfte ihm kaum richtig zugehört haben - die Aufregung um die bloßen Füße überdeckt alles andere. Das ist nicht immer und per se negativ - es verschlechtert in vielen Kontexten aber die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Menschen, die wir erreichen wollen, tatsächlich erreichen. Wir müssen uns entscheiden, was uns wichtig ist und wo unsere Prioritäten liegen.
Die Hemmschwelle, jemandem eine E-Mail mit Feedback zu senden, ist erfahrungsgemäß recht hoch. Damit sich jemand hinsetzt, gezielt seine Meinung niederschreibt und versendet, muss ihn das jeweilige Thema auf einer persönlichen Ebene bewegen. Darum überraschte mich das Feedback zu dem Auftritt von Johannes Ponader bei Günther Jauch: Es kamen einige Mails mit negativem Feedback. Es waren nicht überwältigend viele - aber alle, die kamen, waren negativ. Kritisiert wurde Johannes' Outfit:
"Wie soll ich solch eine Partei ernst nehmen und wählen, wenn solche Typen wie Johannes Ponader barfüssig und in Sandalen öffentlich auftreten?"
"In Zukunft sollte so jemand, der ernst genommen werden will, sich nicht von den anderen abheben, also in Sachen Kleidung"Aber auch an Johannes' Person und seiner beruflichen Situation gab es Kritik:
"Der Herr Pomadig (Bundesgeschäftsführer) sollte es vielleicht einmal mit richtiger Arbeit versuchen!"Am meisten zum Nachdenken brachte mich aber eine ausführlichere E-Mail:
"Zwischen kindischen Konzepten, schlechtem Benehmen und Leistungsschwachen Antihelden an der Spitze geht der Erfolg kontinuierlich herunter. Eine historische Chance wird grade von euch verspielt. Aussenwirkung ist das A und O für einen Wahlkampf. Ihr wollt euch verkaufen. Ihr müsst nicht provozieren. Ihr habt auch so Erfolg. Was soll ich (der Wähler) jetzt von euch halten? Erster Kandidat bei Jauch ist kompetenzlos und orientierungslos das man sogar sowas wie Mitleid verspürt hat. Der zweite gestern eine Katastrophe. Die Partei hat sich so weit Links präsentiert, das es selbst den Linken peinlich ist. Wofür also steht Ihr? Mein bisheriger Eindruck ist folgender: Eine Partei der Generation NULL BOCK, arbeitsscheu, asozial, provokant, die sich Ihren Lebensstil gerne weiter so gestalten will, um diesen zu halten. Ich bin enttäuscht. Ihr habt Macht, ihr könnt groß werden und die Politik richtig mitgestalten. Statt dessen macht ihr irgendwelche erfolglose Antihelden zu Euren Führungsfiguren. Wo sind die erfolgreichen ehrgeizigen jüngeren Politiker? Gebildete junge Leute wenden sich von euch ab. Wie wollt ihr die Zukunft gestalten, wenn eure Führung nicht mal ihr eigenes Leben in den Griff bekommt. Wenn ihr weiter im Lager der notorischen Hartz 4 Empfänger und anderen Randgruppen fischen wollt, viel Glück. Ihr habt eine Chance - nutzt sie mit Führungspersönlichkeiten und einem ansprechenden Konzept!"Das brachte mich vor allem deshalb zum Nachdenken, weil während der Sendung am Abend zuvor meine Timeline voll des Lobes für Johannes' Auftritt war. Ganz entgegen der üblichen Piratenmanier, jeden kleinen Fehler auseinander zu nehmen, waren alle - in meinem Blickfeld - hellauf begeistert, oder zumindest verhalten positiv, maximal mit dem Tenor "Luft nach oben ist immer.
Nun frage ich mich: Woher kommt diese unterschiedliche Auffassung bei den Piraten (Alles wunderbar.) und den Menschen, die uns geschrieben haben (Das geht so nicht!)?
Johannes war bei Jauch sicherlich er selber. Er hat gut argumentiert und stach durch sein Auftreten und sein Outfit deutlich aus der Masse der geschniegelten Karrierepolitiker heraus. Er verfolgte während der Sendung die Rezeption seines Auftrittes auf Twitter, vertrat unsere Themen und deutete unser Programm auch für noch unbeantwortete Fragestellungen. Alles in allem war sein Auftritt sehr "piratig". Kein Wunder also, dass er den Piraten gefiel. Seine Folowerzahl bei Twitter hat sich seit der Sendung mehr als verdoppelt - inzwischen sind es über 6000. Es ist unwahrscheinlich, dass das ausschließlich Piraten waren. Johannes kann also auch jenseits davon Massen anziehen (und wahrscheinlich überzeugen).
Es fragt sich dann, warum er anderen nicht gefiel. Die Kritik an seiner Einkommenssituation möchte ich ungern gelten lassen - es ist nicht seine Schuld, dass die Piratenpartei ihre Amtsträger nicht bezahlen kann. Über seine persönlichen Lebensumstände zu urteilen steht niemandem zu.
Die Kritik an seinem Outfit ist da schon interessanter. Piraten störten sich nicht daran, dass er unter Anzugträgern in Pulli und Sandalen - ohne Socken! - saß. Ich nehme an, dass Piraten den Politikbetrieb allgemein anders sehen als andere. Natürlich tun sie das. Sie achten auf Inhalte und nicht auf Fönfrisuren. Wer unsere Bundesparteitage kennt, den überrascht kein Outfit dieser Welt in einer Talkshow; wären wir nicht maßlos tolerant, wir könnten kaum einen Stammtisch besuchen. Bei uns muss niemand darauf achten was er anzieht: was gefällt, ist erlaubt. Toleranz ist das, was uns verbindet, ein Teil der Piratenphilosophie, die kaum ausformuliert werden muss, um gültig zu sein. Und natürlich finden wir es toll, wenn unser politischer Geschäftsführer so deutlich in der Öffentlichkeit zeigt, was es damit auf sich hat - und sich eben nicht darum schert, sich der Menge oder den Erwartungen anzupassen.
Klar ist auch, dass das einigen nicht gefällt. Bei Menschen mit einem anderen Weltbild kommt das eben nicht gut an. Ich kann ihnen das nicht verübeln: wer mit diesen Werten aufwuchs, wer ein bestimmtes Benehmen kennt und gewohnt ist, wird das immer auch von seinen Mitmenschen erwarten. Und wenn sich diese - wie Johannes - nicht an diese Konventionen halten, führt das natürlich zu Unverständnis. Im schlimmsten Fall beflügelt es die ohnehin schon vorhandenen Vorurteile.
Ich glaube, es gab drei verschiedene Arten von Zuschauern bei dieser Sendung. Die ersten waren die Piraten selbst: Relativ unkritisch, bereits mit Johannes bekannt, piratig-tolerant und von den Inhalten und unserer Philosophie überzeugt. Die zweiten waren die Aufgeschlossenen: Vielleicht noch nicht Piratenwähler, aber soweit vertraut mit uns, unserer Art von Politik und dem Wertesystem darunter, dass sie auf die Inhalte hörten, statt an Äußerlichkeiten hängen zu bleiben und sich ernsthaft mit uns auseinandersetzen. Die dritten waren die Unverständigen. Diejenigen, die die Piraten noch nicht kennen, nicht verstehen, oder beides nicht wollen. Diese regen sich über einen ALG II-Empfänger auf, der twitternd in Sandalen neben Günther Jauch sitzt. Diese Zuschauer erreichen wir mit unseren Inhalten nicht, und werden es auch nicht - zumindest nicht so.
In die Zone zwischen den Aufgeschlossenen und den Unverständigen fällt meines Erachtens diese Mail, die mich so zum Nachdenken brachte. Nicht, weil sich der Schreiber über Sandalen echauffiert. Sondern weil er mir vermittelt, was wir ihm vermittelt haben: "So fühle ich mich von euch nicht repräsentiert, so kann ich euch nicht ernst nehmen. Wenn ihr wollt, dass ich euch ernst nehme, dann zeigt Respekt vor meinem Wertesystem." Zumindest lese ich es so.
Die Frage für die Piraten ist dann: Womit wollen wir punkten und bei wem? Wollen wir unsere Inhalte überall bestmöglich platzieren? Dann müssten wir uns so weit assimilieren lassen, dass man aufhört, sich über unseren Kleidungsstil zu echauffieren. Oder besser: dann dürfen wir Talkshowgäste nicht nach dem Kulturschock-Potential auswählen, sondern danach, wer der jeweiligen Zielgruppe der Sendung unsere Inhalte am besten vermitteln kann. Nicht jeder Kulturschock ist positiv. Wenn der Preis für die erhöhte Aufmerksamkeit darin besteht, dass unsere Inhalte nicht gehört werden, ist er zu hoch - auch wenn wir damit ein Zeichen für unsere Philosophie setzen. Unsere Gäste sollten eine gewisse Affinität zur jeweiligen Zielgruppe haben. Dann wird ihnen nämlich zugehört, und nur wer uns zuhört wird uns langfristig verstehen und wählen.
Ja, das ist Marketing. Ja, das ist ein Stück weit "etabliert". Aber niemand sagt, dass wir nur Schlipsträger neben Schlipsträger setzen sollen. Wir müssen uns einfach nur dessen bewusst sein, welche Wirkung es hat, wenn wir Sandalen neben Gucci-Schuhe stellen. Wer sich von Johannes' Sandalen provoziert fühlte, dürfte ihm kaum richtig zugehört haben - die Aufregung um die bloßen Füße überdeckt alles andere. Das ist nicht immer und per se negativ - es verschlechtert in vielen Kontexten aber die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Menschen, die wir erreichen wollen, tatsächlich erreichen. Wir müssen uns entscheiden, was uns wichtig ist und wo unsere Prioritäten liegen.
Dienstag, 17. April 2012
Tätigkeitsbericht
Tätigkeitsbericht
Gefion Thürmer
Beisitzerin im Bundesvorstand vom 15.05.2011 bis 29.04.2012
Nach einer Einarbeitungsphase, um die bestehenden Strukturen besser kennenzulernen, war das erste wichtige Ereignis meiner Amtszeit das Live-Treffen der Pressegruppen im Juli. Dort wurde ein großer Teil der Arbeit vorgezeichnet, der ich mich in der restlichen Amtszeit gewidmet habe. Zunächst die quartalsweisen Live- und monatlichen Mumble-Treffen der Pressepiraten aus Bund und Ländern. Gerade die Live-Treffen haben zu einer deutlich besseren Vernetzung zwischen Bundes- und Landespresseteams geführt. Durch die dort veranstalteten Schulungen steht nun für alle Pressepiraten mehr Fachwissen zur Verfügung.
Ein weiteres Resultat dieses ersten Treffens war der Plan, bundesweite Servicegruppen für in der Öffentlichkeitsarbeit anfallende Arbeiten einzuführen. Zunächst ging es dabei um Lektorat, Recherche und Programmanfragen. Diese Gruppen habe ich ausgeschrieben und gegründet. Alle drei laufen inzwischen erfreulich gut, entlasten Piraten auf allen Ebenen und brauchen nur sehr wenig Betreuung.
Problematischer verlief die Gründung der SG Pressearbeit. Mit dem Ausmaß des Shitstorms, der mich in diesem Kontext traf, hatte ich nicht gerechnet. Leider machte dieser Shitstorm den geplanten Neuanfang zunichte. Er gab dem Team einen schlechten Ruf, noch bevor dieses eine Chance bekam, sich zu beweisen. Hier hätte ich offensichtlich vorab mehr kommunizieren und deutlicher machen müssen, was geschieht und warum. Trotz der Anfangsschwierigkeiten funktioniert die Gruppe heute recht gut und wird sich in der Zukunft leicht weiter ausbauen und differenzieren lassen.
Ein schlimmeres Schicksal ereilte die ebenfalls von diesem ersten Pressetreffen stammende Idee der Themenbeauftragten. Sie ging in einem Shitstorm unter, erlebte Zuständigkeitswechsel zwischen Marina und mir, und konnte letztlich von mir durch schlichten Zeitmangel nicht weiter bearbeitet oder umgesetzt werden.
Eine weitere Aufgabe, die ich im Vorstand übernommen habe, war die Organisation und Durchführung eines Strategieworkshops. Dieser diente dazu, dem Vorstand das nötige Wissen zu vermitteln, um dann mit der Gesamtpartei eine langfristige Strategie ausarbeiten zu können. Der Workshop fand statt und war für alle Beteiligten lehrreich. Die Dokumentation dazu bin ich bislang – ebenfalls aus Zeitgründen – schuldig geblieben.
Die erhöhte Presseaufmerksamkeit seit dem Wahlerfolg in Berlin im September 2011 resultierte im Vorstand insgesamt, und besonders in meinem Aufgabenbereich, in deutlich mehr Arbeitsaufwand. In die Bewältigung dieses Ansturms haben wir viel Zeit und Arbeitskraft gesteckt: Viele neue Piraten mussten in Teams integriert, viele Fragen beantwortet und Medienwünsche befriedigt werden.
Neben diesen Aufgaben war ich auch zuständig für die Beauftragten in der Öffentlichkeitsarbeit und bemühte mich dementsprechend, mit allen regelmäßig in Kontakt zu bleiben, was dazu führte, dass ich an fünf von sieben Abenden pro Woche Telefonkonferenzen oder Einzelgespräche hatte.
In diesem Kontext ergab sich schon zum Ende des letzten Jahres, dass eine dieser Beauftragungen – der Bundespressesprecher – als Ehrenamt nicht viel länger weitergeführt werden kann. Ich erarbeitete unter Mithilfe des Vorstandes und des amtierenden Pressesprechers ein Konzept für eine bezahlte Stelle, die der Vorstand im März 2012 beschloss. Ich betreute die Ausschreibung und die Vorstellungsgespräche. Zum 1. April wurde schließlich mit Anita Möllering unsere neue Bundespressesprecherin eingestellt.
Das aufwändigste, nervigste, aber letztlich auch erfolgreichste Projekt meiner Amtszeit war die Neuauflage der Bundeswebseite. Auch hier wurde für die Erstellung der neuen Webseite eine Servicegruppe gegründet, die in einem unheimlichen Teameffort dafür sorgte, dass die neue Seite nach fast drei Jahren im März – gerade rechtzeitig zum Wahlerfolg im Saarland – in neuem Glanz online gehen konnte.
Obwohl ich für die Organisation der Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich war, habe ich selbst nur äußerst wenige Medienkontakte gehabt, darunter einige Interviews mit internationalen Medien bei Engpässen – ich übernahm aus praktischen Gründen die englischsprachigen Anfragen. Im Bereich der internationalen Koordination habe ich die Piratenpartei in den Botschaften des Vereinigten Königreiches und der USA sowie auf der General Assembly der PPI in Prag vertreten.
Neben allen Projekten, die ich betreut habe, gab es natürlich noch das generelle Tagesgeschäft: Das Vorbereiten und Leiten der Vorstandssitzungen (online und offline), die Zuständigkeit für das Vorstandsportal, unzählige Antworten auf Anfragen von innerhalb und außerhalb der Partei. Zudem musste ich die Übersicht über alle Teams und Projekte behalten und fungierte als Ansprechpartnerin für alles und jeden in der Öffentlichkeitsarbeit der Partei, hatte Arbeiten zu priorisieren und teils durch aktiven Einsatz voranzutreiben. Und natürlich war da neben alledem immer noch die Flaschenpost, der ich eine nicht ganz so aufmerksame Chefredakteurin war, wie ich es gern gewesen wäre.
Alles, was ich in meiner Amtszeit geleistet habe, wäre nicht möglich gewesen ohne die Teams, die die Konzepte und Ideen mit Leben gefüllt und mindestens genauso hart gearbeitet haben wie ich. Ich möchte mich bei allen Teammitgliedern in den Servicegruppen Lektorat, Programmanfragen, Recherche, Presse und Webseite herzlich für die durch sie erfahrene Unterstützung bedanken. Insbesondere gilt mein Dank dem Team der Flaschenpost, das mich auch in schwierigen Zeiten aufgefangen hat, meinem treuen Assistenten Sperling, der auf jede noch so herbe E-Mail eine positive Antwort fand, und natürlich Markus, ohne den ich nichts von alledem durchgestanden hätte.
Gefion Thürmer
Beisitzerin im Bundesvorstand vom 15.05.2011 bis 29.04.2012
Nach einer Einarbeitungsphase, um die bestehenden Strukturen besser kennenzulernen, war das erste wichtige Ereignis meiner Amtszeit das Live-Treffen der Pressegruppen im Juli. Dort wurde ein großer Teil der Arbeit vorgezeichnet, der ich mich in der restlichen Amtszeit gewidmet habe. Zunächst die quartalsweisen Live- und monatlichen Mumble-Treffen der Pressepiraten aus Bund und Ländern. Gerade die Live-Treffen haben zu einer deutlich besseren Vernetzung zwischen Bundes- und Landespresseteams geführt. Durch die dort veranstalteten Schulungen steht nun für alle Pressepiraten mehr Fachwissen zur Verfügung.
Ein weiteres Resultat dieses ersten Treffens war der Plan, bundesweite Servicegruppen für in der Öffentlichkeitsarbeit anfallende Arbeiten einzuführen. Zunächst ging es dabei um Lektorat, Recherche und Programmanfragen. Diese Gruppen habe ich ausgeschrieben und gegründet. Alle drei laufen inzwischen erfreulich gut, entlasten Piraten auf allen Ebenen und brauchen nur sehr wenig Betreuung.
Problematischer verlief die Gründung der SG Pressearbeit. Mit dem Ausmaß des Shitstorms, der mich in diesem Kontext traf, hatte ich nicht gerechnet. Leider machte dieser Shitstorm den geplanten Neuanfang zunichte. Er gab dem Team einen schlechten Ruf, noch bevor dieses eine Chance bekam, sich zu beweisen. Hier hätte ich offensichtlich vorab mehr kommunizieren und deutlicher machen müssen, was geschieht und warum. Trotz der Anfangsschwierigkeiten funktioniert die Gruppe heute recht gut und wird sich in der Zukunft leicht weiter ausbauen und differenzieren lassen.
Ein schlimmeres Schicksal ereilte die ebenfalls von diesem ersten Pressetreffen stammende Idee der Themenbeauftragten. Sie ging in einem Shitstorm unter, erlebte Zuständigkeitswechsel zwischen Marina und mir, und konnte letztlich von mir durch schlichten Zeitmangel nicht weiter bearbeitet oder umgesetzt werden.
Eine weitere Aufgabe, die ich im Vorstand übernommen habe, war die Organisation und Durchführung eines Strategieworkshops. Dieser diente dazu, dem Vorstand das nötige Wissen zu vermitteln, um dann mit der Gesamtpartei eine langfristige Strategie ausarbeiten zu können. Der Workshop fand statt und war für alle Beteiligten lehrreich. Die Dokumentation dazu bin ich bislang – ebenfalls aus Zeitgründen – schuldig geblieben.
Die erhöhte Presseaufmerksamkeit seit dem Wahlerfolg in Berlin im September 2011 resultierte im Vorstand insgesamt, und besonders in meinem Aufgabenbereich, in deutlich mehr Arbeitsaufwand. In die Bewältigung dieses Ansturms haben wir viel Zeit und Arbeitskraft gesteckt: Viele neue Piraten mussten in Teams integriert, viele Fragen beantwortet und Medienwünsche befriedigt werden.
Neben diesen Aufgaben war ich auch zuständig für die Beauftragten in der Öffentlichkeitsarbeit und bemühte mich dementsprechend, mit allen regelmäßig in Kontakt zu bleiben, was dazu führte, dass ich an fünf von sieben Abenden pro Woche Telefonkonferenzen oder Einzelgespräche hatte.
In diesem Kontext ergab sich schon zum Ende des letzten Jahres, dass eine dieser Beauftragungen – der Bundespressesprecher – als Ehrenamt nicht viel länger weitergeführt werden kann. Ich erarbeitete unter Mithilfe des Vorstandes und des amtierenden Pressesprechers ein Konzept für eine bezahlte Stelle, die der Vorstand im März 2012 beschloss. Ich betreute die Ausschreibung und die Vorstellungsgespräche. Zum 1. April wurde schließlich mit Anita Möllering unsere neue Bundespressesprecherin eingestellt.
Das aufwändigste, nervigste, aber letztlich auch erfolgreichste Projekt meiner Amtszeit war die Neuauflage der Bundeswebseite. Auch hier wurde für die Erstellung der neuen Webseite eine Servicegruppe gegründet, die in einem unheimlichen Teameffort dafür sorgte, dass die neue Seite nach fast drei Jahren im März – gerade rechtzeitig zum Wahlerfolg im Saarland – in neuem Glanz online gehen konnte.
Obwohl ich für die Organisation der Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich war, habe ich selbst nur äußerst wenige Medienkontakte gehabt, darunter einige Interviews mit internationalen Medien bei Engpässen – ich übernahm aus praktischen Gründen die englischsprachigen Anfragen. Im Bereich der internationalen Koordination habe ich die Piratenpartei in den Botschaften des Vereinigten Königreiches und der USA sowie auf der General Assembly der PPI in Prag vertreten.
Neben allen Projekten, die ich betreut habe, gab es natürlich noch das generelle Tagesgeschäft: Das Vorbereiten und Leiten der Vorstandssitzungen (online und offline), die Zuständigkeit für das Vorstandsportal, unzählige Antworten auf Anfragen von innerhalb und außerhalb der Partei. Zudem musste ich die Übersicht über alle Teams und Projekte behalten und fungierte als Ansprechpartnerin für alles und jeden in der Öffentlichkeitsarbeit der Partei, hatte Arbeiten zu priorisieren und teils durch aktiven Einsatz voranzutreiben. Und natürlich war da neben alledem immer noch die Flaschenpost, der ich eine nicht ganz so aufmerksame Chefredakteurin war, wie ich es gern gewesen wäre.
Alles, was ich in meiner Amtszeit geleistet habe, wäre nicht möglich gewesen ohne die Teams, die die Konzepte und Ideen mit Leben gefüllt und mindestens genauso hart gearbeitet haben wie ich. Ich möchte mich bei allen Teammitgliedern in den Servicegruppen Lektorat, Programmanfragen, Recherche, Presse und Webseite herzlich für die durch sie erfahrene Unterstützung bedanken. Insbesondere gilt mein Dank dem Team der Flaschenpost, das mich auch in schwierigen Zeiten aufgefangen hat, meinem treuen Assistenten Sperling, der auf jede noch so herbe E-Mail eine positive Antwort fand, und natürlich Markus, ohne den ich nichts von alledem durchgestanden hätte.
Dienstag, 3. April 2012
Auswahl und Einstellung des Bundespressesprechers
Da es zahlreiche Fragen nach dem Verfahren zur Einstellung unserer neuen Bundespressesprecherin gab, möchte ich den Ablauf kurz erläutern:
Bereits Ende letzten Jahres, nachdem durch den Wahlerfolg in Berlin der Arbeitsaufwand drastisch gestiegen ist, wurde klar, dass die Rolle des Bundespressesprechers nichts ist, dass wir weiter von einer ehrenamtlichen Person verlangen können. Es ist inzwischen im Grunde ein 24/7 Job, der mit einem Brotjob mit regulären Arbeitszeiten, wie ihn fast alle aktiven Piraten haben, nicht mehr vereinbar ist. Unser ehrenamtlicher Pressesprecher Christopher hat bereits im letzten Jahr angekündigt, seine Arbeitszeit im Ehrenamt zu seinem und unserem Bedauern auf 15 Stunden / Woche reduzieren zu müssen. Daher haben wir die Rolle des Bundespressesprechers neu definiert und der Bundesvorstand hat sich entschieden die Stelle auszuschreiben. Die Details dazu habe ich bereits in einem früheren Blogpost beschrieben, daher werde ich das hier nicht noch einmal tun.
Da ich laut der Geschäftsordnung des Bundesvorstandes für die Organisation der Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich bin, fielen die Ausschreibung und der darauf folgende Auswahlprozess in meinen Aufgabenbereich. Ich habe insgesamt acht gültige Bewerbungen bekommen (drei weitere kamen erst nach der Deadline). Ich habe alle Bewerbungen geprüft, vieren davon direkt abgesagt und für die anderen vier Interviews geplant. Da klar war, dass die Vorstellungsgespräche in Berlin stattfinden würden, habe ich mit zwei der Kandidaten, die nicht dort wohnhaft sind, vorab Telefoninterviews gemacht. Daraufhin habe ich einen der Kandidaten zu einem weiteren Interview eingeladen, dass per Skype durchgeführt wurde. Diese drei finalen (Live-)Interviews führte ich gemeinsam mit Sebastian Nerz.
Die berufliche Qualifikation der drei Bewerber war recht unterschiedlich. Bei einem Bewerber sahen wir trotz hervorragender Qualifikation von einer Einstellung oder Beauftragung ab, weil wir der Ansicht waren, dass er sich erst noch eingehender mit den Piraten und den internen Arbeitsabläufen beschäftigen muss. Das beließ uns mit zwei Bewerbern. Unsere Wahl fiel schließlich auf Anita Möllering.
Parallel zum Entscheidungsprozess im Vorstand läuft (noch) ein von @Duesenberg angestoßener Spendenaufruf an die Landesverbände, für die Entlohnung unseres bislang ehrenamtlichen Bundespressesprechers Christopher Lang. Wir haben in den nächsten Monaten zwei Landtagswahlen und einen Bundesparteitag, welche zusätzlich zur Einarbeitung von Anita zu stemmen wären. Für diesen Zeitraum hätten wir daher gerne Christophers volle Unterstützung. Christopher kann ehrenamtlich aber maximal 15 Stunden pro Woche für die Piratenpartei tätig sein. Der Bund verfügt aktuell nicht über die Mittel eine weitere Stelle zu finanzieren, dennoch ist die weitere Unterstützung durch Christopher sinnvoll. Deshalb gibt es aktuell einen Aufruf an die Landesverbände und Spender entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen. Es ist unser Ziel, Christopher für diesen Übergangszeitraum auf Honorarbasis zu entlohnen. Ein entsprechender Beschluss erfolgt erst, wenn ausreichend Mittel eingenommen wurden.
Der Beschluss zur Ernennung von Anita fiel auf Grund der Beschlussunfähigkeit auf der letzten öffentlichen Vorstandssitzung sowie einiger noch zu klärender Details - wie zum Beispiel ihrer Einarbeitung - erst auf einer Sondersitzung des Vorstandes am 31.03.2012. Anita wurde dort mit 5 Dafür-Stimmen und zwei Enthaltungen ernannt. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten wir sehr zu unserem Bedauern noch keine Information zur Person des neuen Pressesprechers herausgeben: Ohne formellen Beschluss war Anita weiterhin eine Bewerberin, der gegenüber wir zu Vertraulichkeit verpflichtet waren. Nach dem Beschluss wurden Anita und Christopher informiert, dann das Presseteam - am Abend des 1.4. konnten wir dann auf dem Vorstandsportal die Einstellung endlich ankündigen.
Bereits Ende letzten Jahres, nachdem durch den Wahlerfolg in Berlin der Arbeitsaufwand drastisch gestiegen ist, wurde klar, dass die Rolle des Bundespressesprechers nichts ist, dass wir weiter von einer ehrenamtlichen Person verlangen können. Es ist inzwischen im Grunde ein 24/7 Job, der mit einem Brotjob mit regulären Arbeitszeiten, wie ihn fast alle aktiven Piraten haben, nicht mehr vereinbar ist. Unser ehrenamtlicher Pressesprecher Christopher hat bereits im letzten Jahr angekündigt, seine Arbeitszeit im Ehrenamt zu seinem und unserem Bedauern auf 15 Stunden / Woche reduzieren zu müssen. Daher haben wir die Rolle des Bundespressesprechers neu definiert und der Bundesvorstand hat sich entschieden die Stelle auszuschreiben. Die Details dazu habe ich bereits in einem früheren Blogpost beschrieben, daher werde ich das hier nicht noch einmal tun.
Da ich laut der Geschäftsordnung des Bundesvorstandes für die Organisation der Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich bin, fielen die Ausschreibung und der darauf folgende Auswahlprozess in meinen Aufgabenbereich. Ich habe insgesamt acht gültige Bewerbungen bekommen (drei weitere kamen erst nach der Deadline). Ich habe alle Bewerbungen geprüft, vieren davon direkt abgesagt und für die anderen vier Interviews geplant. Da klar war, dass die Vorstellungsgespräche in Berlin stattfinden würden, habe ich mit zwei der Kandidaten, die nicht dort wohnhaft sind, vorab Telefoninterviews gemacht. Daraufhin habe ich einen der Kandidaten zu einem weiteren Interview eingeladen, dass per Skype durchgeführt wurde. Diese drei finalen (Live-)Interviews führte ich gemeinsam mit Sebastian Nerz.
Die berufliche Qualifikation der drei Bewerber war recht unterschiedlich. Bei einem Bewerber sahen wir trotz hervorragender Qualifikation von einer Einstellung oder Beauftragung ab, weil wir der Ansicht waren, dass er sich erst noch eingehender mit den Piraten und den internen Arbeitsabläufen beschäftigen muss. Das beließ uns mit zwei Bewerbern. Unsere Wahl fiel schließlich auf Anita Möllering.
Parallel zum Entscheidungsprozess im Vorstand läuft (noch) ein von @Duesenberg angestoßener Spendenaufruf an die Landesverbände, für die Entlohnung unseres bislang ehrenamtlichen Bundespressesprechers Christopher Lang. Wir haben in den nächsten Monaten zwei Landtagswahlen und einen Bundesparteitag, welche zusätzlich zur Einarbeitung von Anita zu stemmen wären. Für diesen Zeitraum hätten wir daher gerne Christophers volle Unterstützung. Christopher kann ehrenamtlich aber maximal 15 Stunden pro Woche für die Piratenpartei tätig sein. Der Bund verfügt aktuell nicht über die Mittel eine weitere Stelle zu finanzieren, dennoch ist die weitere Unterstützung durch Christopher sinnvoll. Deshalb gibt es aktuell einen Aufruf an die Landesverbände und Spender entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen. Es ist unser Ziel, Christopher für diesen Übergangszeitraum auf Honorarbasis zu entlohnen. Ein entsprechender Beschluss erfolgt erst, wenn ausreichend Mittel eingenommen wurden.
Der Beschluss zur Ernennung von Anita fiel auf Grund der Beschlussunfähigkeit auf der letzten öffentlichen Vorstandssitzung sowie einiger noch zu klärender Details - wie zum Beispiel ihrer Einarbeitung - erst auf einer Sondersitzung des Vorstandes am 31.03.2012. Anita wurde dort mit 5 Dafür-Stimmen und zwei Enthaltungen ernannt. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten wir sehr zu unserem Bedauern noch keine Information zur Person des neuen Pressesprechers herausgeben: Ohne formellen Beschluss war Anita weiterhin eine Bewerberin, der gegenüber wir zu Vertraulichkeit verpflichtet waren. Nach dem Beschluss wurden Anita und Christopher informiert, dann das Presseteam - am Abend des 1.4. konnten wir dann auf dem Vorstandsportal die Einstellung endlich ankündigen.
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