Dienstag, 27. Dezember 2011

Der Strategieworkshop


An diesem Projekt arbeite ich bereits seit einigen Monaten und habe auch regelmäßig in meinen Tätigkeitsberichten darüber Auskunft gegeben. Irgendwie scheint es derweil aber niemand wahrgenommen zu haben. Manchmal irritiert mich ja die Partei. Auf der einen Seite fordert sie Transparenz - und wenn man sie bietet, wird das einfach übergangen und sich stattdessen einfach über andere Dinge beschwert. Wozu, frage ich mich, ist die Transparenz denn dann da?

Es gibt offensichtlich Missverständnisse darüber, was das Ziel dieses Workshops ist. Ich organisiere diesen Workshop nicht für mich, oder zum Vergnügen, sondern weil der Bundesvorstand ein solches Treffen braucht und haben möchte - ich bin lediglich diejenige, die dafür Organisationszeit im Kalender opfern konnte. Um es vorab einmal ganz deutlich zu sagen: Es geht bei diesem Workshop explizit nicht darum, eine Strategie für die Piratenpartei auszuarbeiten, die dann der Partei inklusive Basis übergestülpt werden soll. So seltsam das klingt: Auch im Bundesvorstand der Piratenpartei sitzen - na? - Piraten! Und als solcher weiß ich durchaus, dass so etwas in unserer Partei vollkommen fehl am Platz wäre. Darum steht etwas derartiges nicht einmal auf der Agenda!

Primäres Ziel des Treffens ist es, den Bundesvorstand zu befähigen, das zu tun, wofür er gewählt wurde: Die Partei voranzubringen. Um das effektiv tun zu können, ist eine gewisse Strategie einfach unumgänglich. Mir ist klar, dass soetwas nur dann funktionieren kann, wenn alle mitziehen. Es ist zwingend notwendig, die Mitglieder mitzunehmen, um erfolgreich zu sein. Allerdings ist es wenig sinnvoll, dafür "einfach loszulegen". Ein paar Dinge macht man einfach besser mit ein wenig Struktur und ein bisschen Ahnung, was man tut. Strategieentwicklung gehört dazu.

Darum gab es eine Ausschreibung, in der ich bestimmte Skills für diesen Workshop gesucht habe. Ich plane also einen Workshop, der sich zwei Tage lang mit diesen Themen beschäftigen soll:
    •    Wo wollen wir hin: Wie kann eine Partei sich positionieren, wie grenzt sie sich sinnvoll  nach außen ab und wie können wir die programmatische Arbeit der Partei voranbringen?
    •    Was steht uns entgegen: Was tun andere Gruppen oder Parteien um unserem Erfolg entgegenzuwirken und was sind sinnvolle Gegenstrategien?
    •    Wie wollen wir das alles schaffen: Wie planen wir Finanzierung und Kampagnen?
    •    Wollen wir Personenkult: Was sind die Vor- und Nachteile, wie gehen wir in der Hinsicht mit der Presse um?

Die Themen sind personell in vier Kategorien unterteilt: Strategiebildung intern, Strategiebildung extern, Fundraising und Umgang mit den Medien. Zusätzlich wurde ein Moderator gesucht. Für diese fünf Bereiche gab es insgesamt 20 Bewerbungen. Leider waren die Bereiche Fundraising und Medienumgang absolut unterrepräsentiert, so dass Fundraising inzwischen von der Agenda gefallen ist. Für den Medienumgang konnte ich glücklicherweise durch direkte Ansprache eine engagierte Piratin gewinnen.

Es gab einige Fragen danach, warum die Veranstaltung geschlossen sein müsse, warum nicht einfach jeder vorbeikommen könnte, der mitmachen will. Die Antwort darauf ist ganz einfach: Weil es so nicht funktionieren würde. Es ist eben nicht Ziel des Treffens, irgendetwas zu erarbeiten. Es wird dort keine Strategie ausgefeilt. Vielmehr geht es darum, in Zukunft mit viel mehr Piraten eine Strategie ausarbeiten zu können - aber auf eine effektive Art und Weise. Es sollen Methoden zur effektiven Strategiediskussion im großen Rahmen gefunden werden. Dafür muss der Vorstand wissen, worauf er achten muss, was wichtig ist, welche Fehler man vermeiden kann.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass derart fachliche Gespräche in einem kleinen Rahmen - vor allem bei begrenzter Zeit - deutlich besser funktionieren. Genau darum habe ich Fachleute eingeladen, die uns genau dieses Wissen konzentriert vermitteln können. Auch erfordert gerade die Diskussion zu externer Strategie Vertraulichkeit. Dabei geht es nicht um Intransparenz, sondern darum, dass man nicht frei über jedes Thema sprechen kann, wenn die ganze Welt potentiell zuhören kann. Es hat doch auch seinen Grund, dass sich die Piraten gegen Überwachung einsetzen. Dies ist einer davon! Ich werde nie verstehen, wie irgendein Pirat das nicht verstehen kann.

Weitere Kritik gab es daran, dass die Teilnehmerliste geheim ist. Dafür gibt es mehrere Gründe. Der erste und wichtigste davon ist: Ich möchte die Teilnehmer nicht einem Shitstorm aussetzen. Es tut mir leid, dass ich das für notwendig halte. Aber nach den Erlebnissen des letzten Treffens (das unter deutlich schlechteren Voraussetzungen stattfand), hielt ich dieses Vorgehen für angebracht. Es mag sein, dass ich damit Teilen der Partei Unrecht tue, und es mag sein, dass dies nicht die ultimativ richtige Entscheidung war. Aber das Risiko, die qualifizierten Referenten, die ich gefunden habe, zu verlieren, weil ein Shitstorm über sie hereinbricht, war mir einfach zu groß. Alle Teilnehmer sind Piraten, sie kommen aus München, Hamburg, Berlin und Frankfurt. Jeder Pirat hatte die Chance, sich für diesen Workshop zu bewerben. Wenn es so ein Problem ist stellt sich mir die Frage, wieso ich nur 20 Bewerbungen bekommen habe?!

Als BuVo gehört es anscheinend zu meinem Job, diesen Shitstorm auf mich zu nehmen, von dem ich bei so ziemlich Allem immer sicher sein kann, dass er kommt. Und so sehr ich es hasse - langsam gewöhne ich mich daran. Aber ich kann das von niemandem verlangen, der seine Zeit und sein Engagement zur Verfügung stellt, um uns zu helfen. Außerdem habe ich den Teilnehmern mein Wort gegeben, dass ich die Teilnehmer eben nicht bekannt gebe, sondern ihnen freistelle, ob sie ihre Teilnahme bekannt geben wollen oder nicht. Und ich bin ein Mensch, der sein Wort hält, komme was da wolle!

Kommentare:

  1. Prinzipiell ist der Anspruch gut.

    Wir werden sehen ob das was dabei heraus kommt dem Anspruch gerecht wird. Das ist so in etwa wie der Anspruch eines Parteitages (oder die Erwartung an einen solchen) gemessen am Resultat.

    Das Endergebnis wird es zeigen. Der Anspruch rechtfertigt keinen Shitstorm. Ein Resultat kann Kritik jedoch rechtfertigen. Es kommt wie so oft darauf an was man daraud macht.

    Grüße
    ALOA

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  2. canoodle sagt: Ihr sucht nach einer Methodik damit die Partei "funktioniert", ohne dass sich die Basis ausgeklammert fühlt.

    Zeit ist das wertvollste was wir auf Erden haben, die dürfen wir auf keinen Fall verschwenden.

    Keinen Tag.

    Der Versuch verleitet, weil einfacher, aber so kann es nicht funktionieren.

    Web 2.0 macht eben doch einen Unterschied, die Infrastrukturen dafür müssen noch erprobt werden.

    Also erstmal Respekt für den Einsatz deiner wertvollen Zeit.

    Dein Kommentar wartet auf Freischaltung.
    14. Januar 2012 um 02:26

    Ich bin Hobby Philosoph und Hobby Stratege, Hab das Buch von Gunter Dück gelesen “Aufbrechen” Das Internet als Gesellschaftsbetriebsystem – darf ich mitmachen? ;)

    mfg canoodle skype: piratesproject

    ANSONSTEN VORSCHLAG: JOSCHKA FISCHER! Weil die Piraten wohl ähnliche Probleme haben wie die Grünen in der Anfangsphase (laut DSLawFox)

    diese Probleme kann man schon mal “vermeiden”, wenn man einen guten (!!!) Berater findet, welcher genau die gleichen Probleme schon ein mal hatte.

    Kann Gold wert sein. (viele Fehler nicht noch einmal machen) Nur ist Joschka ja iwie “befangen” und eher web 1.0 ist.

    mein profil: http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Canoodle

    http://wiki.piratenpartei.de/Offizielle_Meinung_Entscheidungsfindung

    http://koko.piratenpad.de/KO-Konferenz-2012-01-13

    http://piratenpartei-bayern.de/2012/01/12/ergebnisse-der-bge-umfrage-der-piraten-lv-bayern/

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