Donnerstag, 23. August 2012

"Feuerprobe"

Die Geschichte zum Artikel "Hilfsaktionen für Johannes Ponader"

Disclaimer: Ich habe ein persönliches Problem mit Johannes Ponader, weil ich finde, dass er seine politische Position durch sein Amt als Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei Deutschland missbraucht, um medial für sich als Person zu werben, statt für die Partei und ihre Positionen. Das beeinflusst aber nicht meine Arbeit als (Chef-)Redakteurin der Flaschenpost.

Die Vorgeschichte

Derzeit beschäftigt die Piraten die Diskussion um die Einkommensverhältnisse von Johannes Ponader. Einige sammeln Geld für ihn, andere suchen ihm einen Job. Ich habe für die Flaschenpost einen Artikel darüber geschrieben. Der Artikel sollte betont sachlich sein und auf den Konflikt innerhalb der Partei hinweisen. Gerade weil mir klar war, dass dieser Artikel potenziell für Konflikte sorgen könnte, habe ich unser Lektorat gebeten, insbesondere auf die Sachlichkeit zu achten:
Ich hab schon zwei Probeleser gehabt, die den Artikel als "nicht polemisch" eingestuft haben - ich bitte euch, da noch mal insbesondere drauf zu gucken und im Zweifel kritisch mit mir zu sein. Ich will die Diskussion in der Partei aufzeigen, die sich an Johannes und den Aktionen kristallisiert, nicht über Johannes herziehen. Wenn's den Eindruck erweckt, bitte sagt es!
Vor der Veröffentlichung des Artikels bat ich Johannes um eine Stellungnahme dazu, insbesondere zu der Hilfsaktion, die einen Job für ihn sucht. Johannes gab mir diese Stellungnahme telefonisch, bat mich allerdings, nicht zu veröffentlichen, was er mir sagte. Jeder unserer Artikel wird von zwei Lektoren abgesegnet - auch dieser, nach explizierter Bitte um Kritik.

Nach Veröffentlichung des Artikels schickte Johannes mir zahlreiche Twitter-DMs mit Korrekturwünschen. Er hat insbesondere um eine Änderung von "arbeitslos" in "erwerbslos" gebeten. Dies wurde geändert und er darüber informiert. Er hat danach keine Einwände mehr erhoben und kündigte lediglich einen ergänzenden Blogpost an. Alle anderen Korrekturen lagen meines Erachtens in einem Bereich, der entweder nicht wesentlich oder Interpretationsfrage war. Das mag eine Ermessensfrage sein - ich verstehe es als journalistische Freiheit. Andere Journalisten machen davon deutlich mehr Gebrauch als ich.

Exkurs: Die Zielsetzung der Flaschenpost - was sie tut und was sie nicht tut.

Die Flaschenpost versteht sich als Nachrichtenmagazin. Unsere primäre Zielsetzung ist die Information von Piraten über interne und externe Diskussionen, um diese auf sachliche Informationen bauen zu können. Wie wir bereits früher erklärten, ist "eine wichtige Funktion der Flaschenpost [...] das Anregen von sachlichen Diskussionen über parteiintere Streitthemen."

In ihrem Selbstverständnis ist die Flaschenpost journalistisch unabhängig. Ich als Chefredakteurin bin vom Bundesvorstand beauftragt. Eine genaue Formulierung der Beauftragung gibt es nicht. Wir sehen es nicht als unsere Aufgabe an, dem BuVo nach dem Mund zu reden, sondern Piraten zu informieren. Wenn wir sie dabei über Fehler des Bundesvorstandes aufklären, die dieser lieber nicht publik sehen würde, ist es erst recht unsere Aufgabe darüber zu informieren. Oberste Direktive bei allen Artikeln (abgesehen von Kommentaren) ist die Neutralität: wir wollen keine Stimmung machen, wir wollen informieren.

Das Nachspiel

Drei Tage später - die interne und externe Diskussion um die Spendenaktion war in vollem Gange - bat Johannes erneut per Twitter-DM um Richtigstellungen, weil "die Darstellungen, ich würde nicht arbeiten, nichts verdienen teils extrem schlecht ankommen in der Bevölkerung". Ich ließ ihn daraufhin wissen, dass eine Änderung meines Erachtens nicht notwendig sei, da der Kernsatz "seitdem hat er kein regelmäßiges Einkommen mehr" nach wie vor richtig ist. Diese Einschätzung hat Johannes bestätigt: "dieser Satz ist m. E. so richtig". Danach kamen keine weiteren Nachrichten mehr von ihm, und ich hielt die Angelegenheit für erledigt.

Bis zum heutigen Aufruf zum Shitstorm: Da twitterte Johannes - für mich aus heiterem Himmel - eine Anschuldigung gegen die Flaschenpost bzw. mich persönlich. Wie es zu diesem plötzlichen Sinneswandel gekommen ist, kann ich mir nicht erklären. Der monierte Bezug zu seiner Arbeitslosigkeit steht in meinen Interpretation in einer zeitlichen Reihenfolge: Es geht um die Situation Anfang Juli, um die Situation, die zum Spendenaufruf geführt hat. Er selbst bat um die Änderung von "arbeitslos" in "erwerbslos", was exakt die Wortwahl ist, die er mir nun vorwirft.

Die Schlüsse

Für mich sieht es nun aus wie folgt: Ich habe mich geweigert, einen Artikel zu ändern, der nicht nur in meinen Augen keine sachlichen Unkorrektheiten enthielt - und die Johannes mir nicht nachgewiesen hat. Johannes hat mir gegenüber nicht auf Änderungen bestanden, sondern meine Einschätzung der Situation akzeptiert.

Die Flaschenpost ist das offizielle Nachrichtenmagazin der Piratenpartei. Ich wurde vom Bundesvorstand mit deren Leitung beauftragt. Nun schießt Johannes, ein amtierendes Bundesvorstandsmitglied, gegen die Flaschenpost und mich persönlich. Er wirft damit absichtlich und zu Unrecht ein schlechtes Licht auf die Flaschenpost sowie auf mich als Person. Insbesondere sein Satz "ich gehe davon aus, dass sich sowas sozial lösen lässt" erscheint mir wie blanker Hohn. Erstens, weil diese "soziale Lösung" ganz offensichtlich der von ihm losgetretene Shitstorm ist. Zweitens, weil Beauftragte eigentlich unter dem Schutz seines Gremiums stehen sollten, und es ein Unding ist, ihnen so in den Rücken zu fallen.


UPDATE
Johannes und ich haben inzwischen telefoniert und die Sache aus der Welt geschafft.  Offensichtlich hatten wir aneinander vorbeigeredet. Einer der vielen Gründe, warum Twitter-DMs nicht zur Klärung wichtiger Sachverhalte genutzt werden sollten. Für die öffentliche Austragung der Angelegenheit hat er sich entschuldigt, und ich habe diese Entschuldigung akzeptiert.

Kommentare:

  1. Fieses Spiel von Johannes Ponadaer Zuerst schlägt er eine Formulierung (erwerbslos) vor und schimpft später genau dagegen. Schlimmer noch: als klar wird dass die Mitleidsschiene nicht funktionierte wünscht er einen neuen Text. Wie in 1984 will er die Vergangenheit, hier den selbst vorgeschlagenen Textbaustein "erwerbslos" ändern. Es nicht nur ein fieses Spiel das er mit Gefion und der Flaschenpost spielt, es ist ein falsches Spiel.

    Hinterlistig und gemein. Piratig ist Johannes auf keinen Fall zu nennen.

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  3. Das ist grade richtig shize und ich wäre dafür, dass ihr *beide* die Situation *extrem zügig* deeskaliert. Erwachsene, intelligente Leute können sowas.

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  4. Hallo Gefion,

    danke für deine Stellungnahme.

    Mein Punkt ist nicht, ob du es "arbeitslos" oder "erwerbslos" nennst (den Begriff hast du ja dankenswerterweise geändert, wenngleich im Kurztext auf der Startseite aktuell immer noch "arbeitslos" steht), sondern dass ich zeitweise erwerbslos WAR und es aktuell nicht mehr bin. So habe ich es dir auch in der DM geschrieben.

    Die Aussage, ich sei aktuell erwerbslos, und ich könnte mir derzeit ein Leben in Würde nicht selbst finanzieren, ist einfach falsch und es hilft uns allen nicht, wenn wir etwas Falsches weitertragen.

    Auch die Namen der Initiatoren finde ich erheblich genug, um sie korrekt anzugeben.

    Ansonsten achte ich die Pressefreiheit, auch die der Flaschenpost, sehr. Du und die anderen Redakteure kannst die Dinge, die ich oder andere tun, toll finden oder scheiße, sie kritisieren oder bejubeln. Meine Bitte ging nur darum, Fakten richtigzustellen, zum Beispiel durch eine kurze Notiz am Ende.

    Deine Antwort vom 21.8.12 18:44 habe ich so verstanden, dass du es definitiv ablehnst, etwas zu ändern. Den Kernsatz mit dem "regelmäßigen Einkommen" habe ich selbstverständlich nicht angegriffen, da mein Einkommen unregelmäßig ist, und der Satz damit stimmt. Mit meiner Zustimmung wollte ich jedoch nicht ausdrücken, dass sich meine Bitte, die benannten Fakten richtigzustellen, erledigt hätte.

    Wenn wir uns da missverstanden haben, tut es mir leid, und ich bitte dich um Entschuldigung.

    Mit "sozial lösen" meinte ich nicht, dass ich einen Shitstorm lostreten wollte, sondern dass wir uns über die Sachfrage erfolgreich verständigen können. Ich fände es absolut unangemessen, einen Shitstorm als "soziale Lösung" zu bezeichnen, bei dieser Formulierung dreht sich mir alles, und ich denke, nach dem, was ich gerade erlebe, kannst du das nachvollziehen.

    Ich wollte nicht, dass dich jemand in Folge meines Tweets beleidigt oder sonst ausfällig wird. Soweit ich die Reaktionen verfolgen konnte, ist das auch nicht passiert, bis auf zwei ausfällige Tweets, auf die ich entsprechend reagiert habe.

    Ich bin bei dir im direkten Kontakt meiner Einschätzung nach auf Granit gestoßen. Dass du das anders wahrgenommen hast, lese und respektiere ich. Also habe ich die Öffentlichkeit gesucht, in der Hoffnung, dass wir so wieder sachlich in den Dialog kommen. Meiner Meinung nach ist das gelungen.

    Ich hoffe, ich konnte mich erklären.

    Danke für deine Arbeit.

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  5. Danke für deinen Kommentar, Johannes.
    Ich glaube, ihr habt euch in der Konversation ziemlich mißverstanden. Johannes wollte das "arbeitslos" geändert haben (legitim, da sachlich falsch), erwähnte eine zwischenzeitliche Erwerbslosigkeit und du, Gefion, hast dadurch "erwerbslos" als Alternativvorschlag aufgefasst, der es nicht war. Daher kam logischerweise wieder Johannes mit der Bitte um Änderung, die du dann wiederum von deinem Standpunkt aus nicht nachvollziehen konntest.

    Btw: "Kein regelmäßiges Einkommen" ist bei einem Freiberufler ja nicht gleichbedeutend mit Erwerbslosigkeit. Oft hat man eben nur unregelmäßig Aufträge mit ebenso unregelmäßiger Bezahlung, das heißt aber nicht, dass man nicht arbeitet oder gar kein Geld verdient.

    Ich hoffe, ihr konntet den Konflikt aufdröseln und die Fronten klären.

    Liebe Grüße
    heliantje

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  6. Klaas Stoertebeker23. August 2012 um 20:59

    Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber bei der Formulierung "soziale Lösung" muss ich stark an die heutigen Nachrichten von Opel denken - und ich meine nicht deren 150-jähriges Firmenjubiläum.

    Und ich kann schon gut verstehen, dass gewisse Personen innerhalb des BuVo mit dem Entzug der Beauftragung liebäugeln. Vorallem da bei der Flaschenpost keine "Aufpasser" wie bei der SG Presse platziert wurden...

    Aber was sage ich schon? Ich übe lieber schon mal für die nächsten Jahre - falls ich dann noch Pirat bin:

    Heil größter BuVo aller Zeiten, die Dir treu untergebenen Grüßen Dich. Mit welcher Richtigstellung historischer Unwahrheiten willst Du uns heute beglücken?

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    1. Ein Entzug der Beauftragung ist völliger Quatsch. Gefion macht eine gute Arbeit.

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  7. Gefion, nach den Tweets die du hier veröffentlichst, dem Kommentar von Johannes, muss ich, ohne einen von euch beiden zu kennen und wenn ich nicht total verblödet bin, zu dem Schluss kommen, dass du hier ein klein wenig im Unrecht zu sein scheinst. Mein Wissenstand ist ebenfalls, dass Johannes Freiberufler ist und als solcher naturgemäss das gleiche Schicksal teilt mit 100'00en anderen Freiberuflern: Unregelmässige Einkünfte. Daraus ein erwerbslos zu machen ist schlicht falsch. Offenbar liegt hier ein Missverständnis vor (hoffentlich).
    Ob es nun richtig oder falsch ist, dass das Leben, die Schuhe und die bescheidenen Einkünfte eines PolGe öffentlich breit debattiert werden, kann man sicherlich gerne diskutieren und kritisieren. Man sollte dabei nur aufpassen, dass man sich selbst damit nicht in ein Licht rückt, welches eher Animosität durchschimmern lässt statt sachlichen Diskurs. Der Grat dazwischen ist sehr sehr schmal. In so einer Situation objetiv kritisieren zu können ist fast unmöglich.

    Allerdings traue ich euch beiden auch zu, dies zu klären.

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  8. Gefion, Johannes, ich schätze Euch beide sehr.
    Schade, dass es diese Dissonanz zwischen Euch gibt.

    Du hast den Dialog ja transparent gemacht, Gefion,
    und da lese ich von Johannes:
    ------------------------------
    Ich WAR zwischenzeitlich erwerbslos, aber auch das ist NICHT mehr der Fall.
    Meine derzeitigen Einnahmen ERMÖGLICHEN derzeit ein Leben in Würde.
    Ich habe ca. 2500 Euro verdient.
    ------------------------------

    Dies passt leider gar nicht zu den restlichen Darstellungen + dem Flaschenpost-Artikel.
    Rein sachliche Punktvergabe hier an Johannes.

    Könntet Ihr beiden Euch bitte mal auf ein Glas Wein oder ähnliches treffen?

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  9. Sorry, aber eine Parteiberichterstattung auf Parteiseiten von einem Parteimitglied kann nicht "journalistisch unabhängig" sein. Du kannst Dich bemühen, möglichst objektiv zu berichten, das ist das höchste der Gefühle unter diesen Umständen.

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  10. Diese 2 Probeleser müssten wohl den selben Disclaimer gebrauchen wie hier von Gefion. Ich als Pirat kann diesen Artikel nicht verstehen. Einfach Mist das JP sich auch hier immer wieder erklären bzw klar stellen muss und noch so nett dabei bleibt und sich sogar entschuldigt. Höchster Respekt für Johannes.

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  11. gefion hat ein persönliches problem mit jp. die MACHT, die er hat hätte sie gerne selber. dieses scheingefecht soll das verschleiern

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  12. ...lach....es zeigt sich, dass mal abgesehen von der Inkompetenz ihr Piraten doch auch nur an die Fleischtröge kommen wollt....

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  13. Ich stimme Torsten zu und glaube auch nicht, dass man da objektiv und unabhängig schreiben kann, weil man zu sehr drin steckt und kaum alles neutral reflektieren kann, weil man zu leicht übersieht, dass manche Dinge einfach Reflexionsbedürftig sind.

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