Sonntag, 13. April 2014

Genug ist genug

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Ich habe immer versucht, als Vorstand so professionell wie möglich zu arbeiten. Das bedeutet für mich zum Beispiel, getroffene Entscheidungen zu akzeptieren und meine Handlungen daran auszurichten. Oder ohne Ansehen der Person mit allen Piraten, die Dinge tun wollen, zusammen zu arbeiten - unabhängig davon, was ich persönlich oder politisch von ihnen halte. Das bedeutet auch, in meinen Bereichen auf das bestmögliche Ergebnis hin zu arbeiten, das mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln erreichbar ist. Das habe ich insbesondere im Bereich Europawahlkampf getan. 

Leider wird professionelle Arbeit in dieser Partei nicht als solche anerkannt. Damit kann ich leben. Das war schon immer so, und ich habe nicht erwartet, dass sich das ändert. Ich bin Shitstorms gewöhnt, und inzwischen kann ich mit ihnen umgehen. Wenn man als Vorstand ohnehin für alles was man tut breit kritisiert wird, weil man es eben niemals allen Recht machen kann, wird es ziemlich einfach, in der Mitte all dieser Kritik das zu tun, was man selbst für richtig hält. Genau das habe ich als in meinem Amt zu jedem Zeitpunkt getan.

Sicherlich waren nicht alle meine Entscheidungen richtig. Sicherlich ist Kritk manchmal angebracht. Wo sie angemessen kommuniziert wurde, habe ich versucht meine Handlungen entsprechend anzupassen.

Fehler machen ist menschlich - und auch Vorstandsämter werden mit Menschen besetzt. Diese Tatsache ist aber inzwischen in dieser Partei nicht mehr ausreichend anerkannt. Die Dimension, die nicht nur die Kritik, sondern auch die persönlichen Angriffe, insbesondere außerhalb des Bereiches der Partei, angenommen haben, ist einfach nicht mehr tragbar

Ich bin bereit, für meine Arbeit kritisiert zu werden. Ich bin bereit anzuerkennen (nicht: gut zu heißen), dass der Ton bei uns rauh ist, und die negativen Ausschläge davon als Ausnahmen abzutun - um weiter das große Ganze voranzubringen. Aber: Ich bin nicht bereit, mich für meine Arbeit anzeigen zu lassen. Ich bin nicht bereit, der Partei die Rolle einzuräumen die sie zu haben verlangt.

Wenn Kassenprüfer auf Vorstandssitzungen ankündigen von einer finanziellen Entlastung abzuraten weil Entscheidungen ihnen nicht passen, und öffentlich darüber geredet wird, wie man am besten mein Privatvermögen pfänden kann, um für einen Parteitag zu zahlen, dessen Ausrichtung von der Partei erzwungen wurde, ist das einfach nicht akzeptabel. Die Anspruchshaltung, unter dem Strich mit meinem kompletten Leben für Entscheidungen zu haften, die auf politischer Ebene einzelnen Personen nicht gefallen, kann ich nicht mittragen. Und zwar weder als Vorstand, noch als Pirat, noch als Mensch.

Bruno Kramm hat es auf der letzten Vorstandssitzung sehr treffend zusammengefasst. Diese Partei schafft es intern nicht, das Menschenbild zu leben, das sie extern propagiert. Ihre politischen Ziele und ihre Handlungen stehen in keinem Verhältnis mehr zueinander.

Die Piratenpartei hat - seit über vier Jahren - einen großen Raum in meinem Leben. Aber es gibt Gebiete, in die vorzudringen ihr nicht zusteht. Diese Linie zwischen meinem Amt und meinem Leben wurde nun überschritten. An diesem Punkt muss ich Konseqenzen ziehen. Die einzige Konseqenz, die ich an dieser Stelle ziehen kann, ist, meine Arbeit für diese Partei einzustellen.

Ich werde noch bis zum Parteitag mein Amt ausfüllen - weil ich Verantwortung übernommen habe, der ich gerecht werden will. Ich werde auf dem Parteitag in Halle nicht mehr kandidieren. Nach der Neuwahl des Vorstandes werde ich alle meine Tätigkeitsbereiche, innerhalb und außerhalb des Vorstandsamtes, übergeben, und mich aus der deutschen Piratenpartei zurück ziehen.

Der Piratenbewegung selbst bleibe ich erhalten; ich werde mich in Zukunft in der britischen Piratenpartei engagieren, in der ich bereits seit 2011 Mitglied bin.


Update: Ich werde auf meinem eigenen Blog keine Beleidigungen oder hanebüchene Verschwörungstheorien posten lassen. Darum sind Kommentare nun abgeschaltet.

Enough is enough

Auf deutsch lesen

As a member of the national board of Pirate Party Germany, I have tried to work as professionally as possible. That included accepting decisions and aligning my actions to fulful them. Or working with pirates that wanted to do things, regardless of who they are or where they stood politically. It also meant trying to achieve the best possible results with the tools at hand for the task. This has been especially true with the preparations of our EU election campaign.

Unfortunately, professional work is not recognised in Pirate Party Germany. I can bear that - it has never been any different and I didn't expect it to change. I am used to shitstorms, and I can handle them. As a board member, as soon as you realise that you will always be criticised for everything you do, simply because it is impossible to make everyone happy, it becomes easy to just do what you think is right in the midst of all the criticism. That's what I've done at all times in my role.

I'm sure that I have made mistakes. Criticism was certainly appropriate from time to time, and where it was communicated in a reasonable manner, I tried to amend my actions accordingly.

Making mistakes is only human - and board members are recruited from humanity too! This simple fact is often no longer recognised in the party. The level, that not only criticism, but also personal attacks, even outside of the realm of the party, have reached, is no longer bearable. I am willing to be criticised for my work.

I am willing to recognise (not: approve), that the tone in the party is rough, and to accept the negative peaks in this regard as exceptions - to bring the party as a whole forward. But: I am not willing to be confronted with criminal charges for my work. I am not willing to grant the party the role in my life that it seems to be demanding from me.

When financial auditors announce in board meetings that they will advise the general assembly not to discharge the board because they do not like the decisions we make; when there is a public debate on how best to seize my personal property to pay for a General Assembly that the Party requires us to organise, it is simply unacceptable. I simply cannot support the attitude of the Party when it expects me to be liable for political decisions with my entire life. I cannot do this as a board member, as a pirate, or simply as a human being.

Bruno Kramm summarised this perfectly in our last board meeting: Internally, this Party doesn't live up to the expectations , that it demands externally. The political goals and the actions taken in the Party now, are completely at odds.

The German Pirate Party has played a significant role in my life for more than four years. But there are areas of my life that it is not entitled to. The line between my work for the Party and my private life has been crossed. At this point, I have to act. The only conclusion I can come to is that I can no longer work for the German Pirate Party.

I will continue to do my duty as a board member until our next general assembly - because I accepted that responsibility and I will fulfil it. I will not stand as a candidate for another role on that General Assembly. After the new board has been elected, I will hand over all of my responsibilities, within and outside of board duties, and withdraw from the German Pirate Party.

I will stay with the Pirate movement though; In the future, I will support the pirate party UK, which I joined in 2011.